Nach dem legendären English Concert, das von 1972 bis 2007 von dem Cembalisten und Organisten Trevor Pinnock geleitet wurde, musiziert als zweites Londoner Orchester  mit Originalinstrumenten die 1986 gegründete Formation Orchestra of the Age of Enlightenment. Der Name ist Programm und die Diskographie des Orchester umfasst bereits mehr als fünfzig Aufnahmen von der Musik Henry Purcells über Händel bis zum Zeitalter Mozarts und Haydns. Später erweiterte sich der Radius des Repertoires zur Romantik und Spätromantik hin: Es entstanden gleichermaßen Einspielungen von Werken Rossinis, Schuberts, Mendelssohns und Mahlers.

Das OAE bei einem Auftritt in San Sebastián, Spanien, im August 2011  (Quincena Musical)
Das OAE bei einem Auftritt in San Sebastián, Spanien, im August 2011 (Quincena Musical)

Demokratie wurde im „OAE“, dessen Sitz das Londoner Southbank Centre ist, von Anfang an wörtlich genommen: Es unterliegt gemeinschaftlicher Unterscheidung, wer als principal artist für die Musiker fungieren darf. Seit 2008 waren dies Simon Rattle, Wladimir Jurowski und Ivan Fischer. Zu den renommierten Leitern zählten als Gäste auch schon Charles Mackerras, Gustav Leonhardt und Frans Brüggen sowie die Dirigentin Marin Alsop. Auch Welttourneen standen schon auf dem Kalender: Neben anderen Engagements unternahm das Orchester 2002 eine Konzertreise nach Südamerika, 2003 nach Südostasien. Als noch verdienstvoller kann der pädagogische Einsatz der Musiker eingeschätzt werden: So konzertieren sie in Londoner Schulen und betreuen Projekte, die Kindern das Instrumentalspiel näherbringen sollen.

Wladimir Jurowski dirigiert das Orchestra of the Age of Enlightenment im Londoner Roundhouse (Joeplommer)
Wladimir Jurowski dirigiert das Orchestra of the Age of Enlightenment im Londoner Roundhouse (Joeplommer)

Als nächstes tritt das Ensemble unter Sigiswald Kuijken, einem langjährigen Partner Gustav Leonhardts, am 19. März um 19 Uhr in der Londoner Queen Elizabeth Hall mit Vivaldis Cellokonzert in D-Dur und Bachs 3. Brandenburgischem Konzert G-Dur auf. Moderiert von Hannah Conway sind am Violoncello da spalla Makoto Akatsu und
François Fernandez zu hören. Anlässlich der Händel-Festspiele 2014 im Dom zu Halle gastiert das Ensemble auch in Deutschland mit Händels Let God Arise, William Boyce‘ Solomon und anderen Werken – am 10. Juni um 19.30 Uhr.

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert