Schon vor Monaten ging die Nachricht um die Welt: Nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs im Archiv der Columbia Studios wird ein komplettes Album des großen Johnny Cash erstmals veröffentlicht. Keine Demos, keine Outtakes, keine alternativen Versionen, nein – ein auf Basis zweier Sessions in sich geschlossenes LP-Werk gilt es ab 21. März (Sony Music) zu entdecken. Doch, mal abgesehen von der Aufregung um den unverhofften Fund, wie klingt es denn, das „neue“ Album des Verblichenen? Handelt es sich um ein Meisterwerk oder war das Verstecken des Materials vielmehr ein Akt des Selbstschutzes? Was also taugt das Album unbesehen der Umstände seiner Veröffentlichung? Sehr viel!

Cash zur Zeit: Out Among The Stars (Sony Music)
Cash zur Zeit: Out Among The Stars (Sony Music)

Schon der Opener „Out Among The Stars“ vermittelt in beeindruckender Weise, dass es Cash nicht daran gelegen war, mal eben und so zwischendurch etwas Mittelmäßiges abzuliefern. Nein, schon in diesem Song deutet sich an, dass er seine kreative Krise gegen Ende der siebziger Jahre überwunden hat und sich nun zu jenen Höhenflügen aufmacht, die sein Alterswerk auszeichnen sollten. „Out Among The Stars“ – im Ganzen ein Interim, gewiss. Aber eins der Sorte, das es nicht zu missen und erst recht nicht zu unterschätzen gilt.

Dem Engagement von Cashs Sohn John ist es zu verdanken, dass sich Musiker wie Grammy-Preisträger Marty Stuart oder Buddy Miller vorbehaltlos einfanden, um den vorhandenen Rohdiamanten jenen letzten Schliff zu verleihen, der Johnny Cash selbst – zu Zeiten der Erstaufnahme – noch gefehlt haben könnte. Von Leichenfledderei indes keine Spur.

Im Kontext der Veröffentlichung stechen die packend orchestrierten Duette mit June Carter Cash („Baby Ride Easy“, „Don’t You Think It’s Come Our Time“) und Waylon Jennings („I’m Moving On“) ebenso hervor, wie die Eigenkompositionen des unvergessenen `Man In Black´, „Call Your Mother“ und „I Came To Believe“. Cashs Interpretationen von „After All“ oder „Tennessee“ dürften hingegen die Experten auf den Plan rufen und zu so mancher Diskussionsrunde einladen. Die Gründe für die damalige Nicht-Veröffentlichung mögen im Verborgenen bleiben, „Out Among The Stars“ ist ein Album, für das gilt: Unverhofft kommt oft, aber selten so gut!

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