Hydras Dream & Denovali Swingfest

Neues vom Mädchen mit den Schwefelhölzern

Von der inneren Haltung zum pflegenden Tun: Die schwedischen Musiker Anna von Hausswolff und Matti Bye interpretieren das berühmte Kunstmärchen vom „kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern“ aus der Feder Hans-Christian Andersens als eine sphärische Reise, an deren Ende Trost und Erlösung stehen. Zwischen experimentell angehauchter Neo-Klassik und Avantgarde-Dream-Pop pendelnd, erschließt sich „The Little Match Girl“ unerwartet zügig. Nicht immer zwingend eingängig (was auch immer das heißen mag), aber bleibende Eindrücke durchgängig erzeugend, erhältlich ab dem 28. März.

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Anna und Matti sind "Hydras Dream" (Thomas Hack / Denovali)

Anna und Matti sind „Hydras Dream“ (Thomas Hack / Denovali)

Matti Bye hat sich in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf erspielt und gilt inzwischen als einer der meistbeschäftigten Score-Autoren Schwedens. Für seine Arbeit zum emotional anspruchsvollen Filmdrama „Faro“ erhielt er den schwedischen Guldbagge-Award („Bästa Musik“), sein aktueller Score zur Groteske „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ dürfte seinen Ruf weiter festigen.

Mit dem von Orgelakkorden dominierten 2. Album „Ceremony“ (Kning Disk / Broken Silence) hat Anna von Hausswolff (Tochter des einschlägig bekannten Meta-Künstlers und Königs von Elgaland-Vargaland, Carl Michael von Hausswolff) weit über die Grenzen Skandinaviens hinaus großes Kritikerlob geerntet. Seitdem nährt sie die Hoffnung auf weitere Großtaten an der Schwelle zwischen Düster-Pop und Experiment. Ihr Live-Album „Källan (Prototype)“ (Touch) legt nahe, dass sie auf erhöhte Erwartungshaltungen souverän zu reagieren weiß, die Auflage von 500 Exemplaren ist bereits ausverkauft.

Wer wie Matti Bye und Anna von Hausswolf derart beschäftigt ist, dem bleibt nichts anders übrig, als weitere Projekte zeitökonomisch gestrafft anzugehen. Vielleicht nahmen das Schreiben und (!) das improvisierte Einspielen von „The Little Match Girl“ auch aus diesem profanen Grund gerade einmal drei Tage in Anspruch. Ein Umstand, dem im Ergebnis keinerlei Makel anhaftet, im Gegenteil: Der Spontaneität seiner Entstehung verdankt das Album seine eigenartige Transparenz, seine spürbare Beseeltheit, die, so steht es zu vermuten, der Idee einer sofortigen Umsetzung des Konzepts geschuldet ist.

Cover: "The Little Match Girl" (Denovali)

Cover: „The Little Match Girl“ (Denovali)

Nach einem verhaltenen Beginn, der ein beinahe allzu lockeres, beiläufiges Einspielen abgibt, setzt spätestens mit den 70er-Synth-Schleifen von „Losing The Slippers“ ein anregendes Spiel mit pointiert gesetzten Allusionen, Zitaten und entsprechenden Überraschungen ein. Im weiteren Verlauf führt dieses Spiel jedem Track seine jeweils eigene, inhaltlich schlüssige Aura zu: Das verhallt-brüchige Piano von „Grievance Of A Young Girl“ erinnert an Tuxedomoon zu „Made-To-Measure/Crammed“-Zeiten, „Grandma’s Appearance“ könnte als Verneigung vor Danny Elfman („Edward Scissorhands“) oder Karel Svoboda („Drei Nüsse für Aschenbrödel“) verstanden werden, die Glocken- und Cembaloklänge von „Fall Of A Star“ gemahnen an ein Zwischenspiel für ein Requiem größeren Ausmaßes, dem vollmundigen „The Joys Of A New Year“ wäre auch eine Zola Jesus erlegen.

Schlicht und einfach schön endet das Album, mit dem eisigen Erlösungstod des kleinen Mädchens auf der Erzählebene. Sanft entschwindet die Komposition „The End“, gleitet – von zaghafter Hoffnung getragen – in ein angstfreies Jenseits, dessen Geheimnis gewahrt bleibt. „The Little Match Girl“: Intensität ohne Aufdringlichkeit, durchdachte Finesse mit der schöpferischen Freiheit des Versuchs. Ein Album, dessen vermeintlich paradoxale Prägung zu einem Ergebnis führt, wie es überzeugender auch nicht nach Hunderten von Sessions hätte ausfallen können.

Anna von Hausswolff wird am 18. April im Rahmen des Denovali Swingfest in London (Village Underground) auftreten. Mit John Lemke, Witxes, Ulrich Schnauss & Nat Urazmetova, Hidden Orchestra & Lumen, The Haxan Cloak sowie Porter Ricks wird sie sich dort in bester Gesellschaft befinden. Tags drauf geben sich im Cafe Oto zudem noch Petrels, Origamibiro, Piano Interrupted und Thomas Köner die Ehre.

Am daraufolgenden Wochenende (25. / 26. April) findet das Denovali Swingfest in Berlin-Friedrichshain seine Fortsetzung (Radialsystem V). Hier sieht das Billing u.a. ein Wiedersehen mit dem mexikanischen Elektro-Genie Murcof vor.

Weitere Informationen zu den beiden exquisiten Veranstaltungen:

http://denovali.com/swingfest/london/
http://denovali.com/swingfest/berlin/

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