Star-Pianist Yiruma dreht „Blind Film“

Für Regentage, so wehmütig schön wie nie

Die aktuelle Wettervorhersage meint es nicht sonderlich gut mit den sonnigen Gemütern unter uns. Ab dem 21. März soll eine längere Schlechtwetterperiode unser aller Verlangen nach des Lenzens Luft und Lüste noch weiter steigern. Da kommt das neue Album des koreanischen Star-Pianisten Yiruma, „Blind Film“ (Sony Music), gerade zur rechten Zeit: Mit ihm lassen sich kommende Regentage noch einmal (und danach bei Bedarf immer und immer wieder) so richtig zelebrieren! Mit nachdenklicher Wehmut Winterkleidung einmotten oder mit einem melancholisch aufgeladenen Seufzer Tee trinkend Vergangenes hervorkramen – die fragil zurückhaltenden Kompositionen auf „Blind Film“ laden hierzu nachdrücklich ein.

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Yirumas "Blind Film" - kein Movie (Sony Music)

Yirumas „Blind Film“ – kein Movie (Sony Music)

Auch auf seinem neuen Album versteht es Yiruma, seine „populärklassischen“ Tagtraum-Interpretationen in unwiderstehlicher Manier wirken zu lassen. Vom (unbeabsichtigten) Chart-Erfolg seines YouTube-Hits „River Flows In You“ (Platz 20 in Deutschland) unbeirrt, verfolgt er seine Vision einer einfach und doch universell gehaltenen Klaviermusik, die sich auch einem Hörer ohne Musikstudium unmittelbar erschließt. Indem der 1978 in Seoul geborene und ab seinem zehnten Lebensjahr in England aufgewachsene Pianist seine Kompositionen von dem komplexen Wechsel von Emphase und Zerbrochenheit der romantischen Vorbilder (von Schumann bis Liszt) fernhält, gewinnen sie an Strenge und Prägnanz, was Yiruma wiederum vom Gros anderer Neo-Klassiker unterscheidet, die im seichten Wellness-New-Age-Geklimpere untergehen.

Es tut nicht Not, sich seiner affirmativen Haltung zu Yiruma zu schämen. Und es steht jedem bestens zu Gesicht, sich zur Unwiderstehlichkeit etwa der beiden Walzer, in E-Moll für Cello, in C-Moll für Solo-Piano, zu bekennen – den beiden „Hits“ von „Blind Film“. Ferner kann es Yiruma nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass er (oder sein Marketing) sich des überstrapazierten Bilds einer Filmmusik fürs eigene Kopfkino bedient, um seine Intention in Worte zu kleiden.

Makellos wie sein Oberhemd: Yiruma (Kang Young Ho / Sony Music)

Makellos wie sein Oberhemd: Yiruma (Kang Young Ho / Sony Music)

Denn: Er liegt mit seiner Gebrauchsmetaphorik verdammt richtig, beim Hören von „Blind Film“ etwa eine Rezension zu schreiben, will nicht gelingen, die Gedanken, sie schweifen immer wieder ab (was, pro domo bemerkt, auch beim nahezu völlig missratenen neuen Album des großen Mike Oldfield nicht klappt, doch bei dessen „Man On The Rock“ schlagen die Gedanken eine ganz andere Richtung ein).

Doch zurück zu Yiruma, der auf „Blind Film“ gleich zwei Quartette mit Lin Wayne (Violine), Huang Hung Wie (Bratsche) und Ji Suk Young präsentiert, die sich selbstredend reibungslos ins wohlige Gefüge einpassen. Und die Solo-Stücke? Beginnen mit einer meditativ verdichteten Skizze („Playing The Scene“) und enden mit einem elegisch-eleganten Verweis auf den Mann am Klavier zur blauen Stunde. Kitsch? Vielleicht. Aber sicherlich keiner von jener Sorte, die authentische Emotionen mit sentimentalen Unaufrichtigkeiten widerrechtlich profanisiert. Yirumas „Blind Film“ – ein Album mit Hand und Verstand, Substanz und Bestand. Here comes the rain again…

http://klassik.sonymusic.de/Yiruma

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