Der Musikgeschichtsschreibung gilt Pablo Martín Melitón de Sarasate (1844 – 1908) eher als virtuoser Violinist und Komponist mit einem gewissen Hang zur leichten Muse. Sein Werdegang, unter anderem als Schüler des Pariser Konservatoriums, mutet aber eher klassisch an und diesen Voraussetzungen sowie auch den Strukturen unter der virtuosen Oberfläche der Werke widmet sich Julia Fischer in ihrer neuen Einspielung vor allem der spanischen Tänze zusammen mit der Pianistin Milana Chernyavska. Das Duo musiziert mit aller möglichen technischen Finesse, teils aberwitziger Geschwindigkeit und Akkuratesse, versteht es aber gleichzeitig die subtilen Passagen der Stücke herauszuarbeiten.

Julia Fischer spielt Pablo de Sarasates technisch hochkomplexen und genuin spanischen Violinwerke (Decca B00FMF3NWU, 2013).
Julia Fischer spielt Pablo de Sarasates technisch hochkomplexen und genuin spanischen Violinwerke (Decca B00FMF3NWU, 2013).

Im Bookletvorwort zu ihrer 2013 erschienenen CD erklärt die schon seit längerem international renommierte Geigerin Julia Fischer einmal, wie sie auf das Repertoire des spanischen „Salonromantikers“ kam und zweitens, dass ihr bei aller Favorisierung des bildenden klassischen Kanons – Bach und Beethoven – nie in den Sinn gekommen wäre, eine strenge Unterscheidung zwischen E- und U-Musik zu treffen, da sich beide nicht ausschließen – bestens hörend nachzuvollziehen an der vorliegenden Aufnahme, die außer den heimatlichen Tänzen die Zigeunerweisen und farbenglänzende Einzeltitel wie El canto del Ruiseñor („Der Gesang der Nachtigall“) und die Caprice basque des aus Pamplona stammenden „Teufelsgeigers“ im Gefolge Paganinis einschließt.

Pablo de Sarsate bei einem seiner legendären Auftritte (Composers of Spain, p.d.)
Pablo de Sarsate bei einem seiner legendären Auftritte (Composers of Spain, p.d.)

Tatsächlich war Sarasate, der bereits mit 12 Jahren am Hof zu Madrid spielte, schon zu Lebzeiten wegen seiner lupenreinen Intonation, fabelhafter Violintechnik und dem Zauber seines Tons legendär. Seine Konzertreisen führten ihn nach Amerika ebenso wie in den Orient. Lalo schrieb ihm seine Symphonie Espagnole, Bruch sein 2. Violinkonzert auf den Leib, Saint-Saëns das Rondo capriccioso und seine drei Konzerte für Violine und Orchester. Im Rahmen seiner eigenen Kompositionen beschäftigten ihn nicht zuletzt beschäftigten die Weisen der spanischen Gitanos, gerade weil sie etwas völlig Anderes als die europäische Kunstmusik zu bieten hatten. Allein schon der Zigeunerweisen wegen lohnt sich die Anschaffung der auch raumklanglich bemerkenswerten CD …

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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