Es ist nicht die vorangestellte Warnung, es ist die Populär-Musik (wer sonst?), die die absonderlichsten (und mithin schönsten) Geschichten schreibt: Da ereilt den Rezensenten die neue CD von Olaf („Ich mach es wie die Sonnenuhr“. Ariola / Sony Music), der sich daraufhin denkt: Na schön, dann werden Bernd und Manfred wohl bald nachziehen, um die „Flippers“ post mortal zu beleben und abzumelken, wo es nur geht. Klarer Fall von Ausbeutung  einer in Jahrzehnten stilbildenden Schlagerband. Ja, von wegen! Olaf gelingt es im Rahmen des Gegebenen nuanciert dem Stammband-Sound neue Facetten hinzuzufügen, ohne sich neu erfinden zu müssen. Olaf klingt wie die Flippers, nur besser – vor allem beim Titeltrack: Schlager des Jahres!

Flippt aus: Olaf (Ariola / Sony Music)Wer kennt noch den Hit „Dampfriemen“ der Instrumental-Synthie-Musikanten „La Düsseldorf“? Vermutlich weniger Menschen als es Fans von OMD oder VNV Nation gibt – sorry, Sound und Hook von „Ich mach’s wie die Sonnenuhr“ wären bei den Genannten auch bestens aufgehoben, doch hat sich Olaf Malolepski die Mühe gemacht, das Naheliegende endlich mal auch auszuführen. „Ich mach’s wie die Sonnenuhr“ ist schlichtweg Schlager in Reinkultur, dem der kontextfremde Retro-Sound wie angegossen steht.

Im weiteren Verlauf schlägt die Platte dann zwar jene Wege ein, die zu erwarten waren – doch auch sie sind sie gesäumt von Details, die ins Staunen versetzen. Olaf verlässt sich eben nicht auf die kaputt gerittenen Plattitüden, gemeinsam mit Joschi Dinier und Rainer Burmann hat er es verstanden, dass sich Konfektionsware erst dann überholt, wenn der immer gleiche Stiefel gefahren wird. Er legt ein Album vor, das von Bernd und Manfred erst mal übertroffen werden will, wenn überhaupt. Aber Obacht: Scheitern geht schnell. Olaf war schneller… Siegertyp!

youtube.com/watch?v=0FJ3XxtMN1U

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