Was für eine Märchenstunde! Danielle de Picciotto, Alexander Hacke, Paul Wallfisch und Mick Harvey sorgten gestern im Bahnhof Köln-Ehrenfeld für erstklassige, begeisternde Abendunterhaltung. Als Interpreten des Grimmschen Volks- und Kulturguts überzeugte die aus einem Theater-Projekt hervorgegangene Super-Group mit anspruchsvoll ausgestalteter Musikalität und mitreißender Spielfreude. Die an sich wohlbekannten, zumeist erschreckend moralinsauren Sujets wurden mit viel guter Laune und überbordender Energie dargeboten. Schade nur, dass der Veranstaltungsort nicht zum Bersten gefüllt war. Aber noch besteht Gelegenheit, das Verpasste nachzuholen.

Zum Verneigen: Ministry Of Wolves (Stephan Wolf)
Zum Verneigen: Ministry Of Wolves (Stephan Wolf)

Identitätskonstruktion einmal anders: Die vier Musiker interpretieren und intonieren die Märchenwelten nah an den bekannten Figuren entlang; so gibt Danielle de Picciotto mal das Rotkäppchen, Alexander Hacke ab und an den bösen Wolf. Und doch scheint es, als ob die Rollen untereinander jederzeit getauscht werden könnten. Allein die instrumentale Klasse der Akteure lässt diesen Schluss zu. Mick Harvey erweist sich als pointiert agierender Schlagzeuger, der auch mal in die Saiten greift, die überwiegend von de Picciotto und Hacke bedient werden, mal unkonventionell, mal klassisch. Paul Wallfisch gibt Tastengas dazu und sorgt so für ein jederzeit verlässliches und belastbares Gerüst.

Müßig, sämtliche Stile und Stilistiken aufzuzählen, die The Ministry Of Wolves zitieren und munter mischen. Vom oberfetten Hardrocker bis zur rührigen Folk-Ballade ist alles dabei – in einem Song! Soviel versierte Offenheit kann nur begeistern! Ein Highlight unter Highlights: Der „Dance of Death“, ein Non-Album-Track, der, von Mick Harvey dargeboten, in Köln seine Live-Premiere feierte. Oder haben sie geflunkert, haben sie den nicht auch schon tags zuvor in Ljubljana gespielt? „Gestern Ljubljana, heute Köln, das klingt doch gut“, meint Paul Wallfisch, nur um schon beim nächsten Song unter Beweis zu stellen, dass auch er wohl gerne singt und singen kann.

Ihr Album „Music from Republik der Wölfe“ (Mute / GoodToGo) – so gelungen es auch ist  – unterliegt im Vergleich mit der Live-Performance. Wenn Hacke etwa dem Bass die tollsten Sounds abringt, dann kann man nur genießen.

Es reicht jetzt, genug der Lobhudelei, sonst mache ich mich morgen noch auf dem Weg nach Antwerpen, um einer neuen Sucht zu fröhnen:

29.3. Antwerpen, De Studio
31.3. Bristol, The Exchange
01.4. London, The Lexington
26.4. Prag, Pilot Club
27.4  Leipzig, Schauspiel
08.5. Bielefeld, Forum

Weitere Termine nicht ausgeschlossen.

Hier gibt es ein Making Of des Albums:
https://www.youtube.com/watch?v=K-Q_T8B5qhQ

hacke.org/
mickharvey.com/
danielledepicciotto.com/
botanicaisaband.com/
facebook.com/theministryofwolves

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