We Are Scientists im Gespräch

Wissenschaft für Fortgeschrittene

Auftakt im Kölner Luxor (Stephan Wolf)

Auftakt im Kölner Luxor (Stephan Wolf)

Warum denn ihr Video zur Auskopplung „Dumb Luck“ so pädagogisch wertvoll ausgestaltet worden wäre, wollen wir nun wissen (dass es sich dabei um einen höchst amüsanten Splatter-Flick handelt, ist klar). „Es ist doch gar nicht pädagogisch gemeint“, echauffiert sich das Duo augenzwinkernd, „wir finden, es illustriert sehr schön, was für Katastrophen sich innerlich abspielen, wenn man, wie auf der Textebene, von schlimmen Liebeskummer oder Beziehungsstress heimgesucht wird.“ So habe dies, erinnert Chris Cain, zumindest ein begeisterter Hörer, bzw. Seher interpretiert.

Apropos Sehen. Der Blick der beiden Wissenschaftler fällt auf ein Filmplakat, das als Teil einer Collage die Wand ziert. Auf „Nonnen auf der Flucht“, einer Komödie mit Eric Idle. „Hey, der Film heißt schon im Original ,Nuns on the run‘, aber warum auf Deutsch wortwörtlich genauso?“, erweisen sich beide als ansatzweise der deutschen Sprache mächtig. „Habt ihr denn keine Phantasie, das ist doch einfallslos… “, woraufhin sich ein humorige Kurzanalyse über Sinn und Zweck generischer oder ungelenk adaptierter Filmtitel anschließt, die nur den Schluss zulässt, das „We Are Scientists“ höchsten Wert auf sprachliche Eloquenz und Originalität legen.

Die Party ist im vollen Gange ... (Stephan Wolf)

Die Party ist im vollen Gange … (Stephan Wolf)

Warum unterwerfen sie sich trotz allen Anspruchs immer wieder einem durchgängig beibehaltenen Songkonzept, warum werden ihre Stücke nicht mal länger, und böten so vielleicht mehr sprachliche – und musikalische – Ausdrucksmöglichkeiten? „Wenn wir das wollten, dann würden wir eine Oper schreiben, oder auch mal ein zwanzigminütiges Black Metal-Stück. Aber wir wollen nicht“, erklärt Chris Cain.

Vielmehr wollen beide vor allem eins: ihr Publikum – auch und vor allem live – bestens unterhalten. „Wir gehören sicher nicht zu den Bands, die sagen: ,So, da nehmt es. Ob es euch gefällt, ist eure Sache und uns egal“, stellen beide fest. „Dabei sind wir nicht gefallsüchtig. Wir stehen in der Verantwortung! Wir veranstalten eine Party, und die Leute zahlen Eintritt dafür, um an unserer Party teilzunehmen. Wenn die Party dann in die Hose geht, dann ist das allein unsere Schuld und die Leute fühlen sich zu Recht geprellt. Das will keiner und darum sorgen wir dafür, dass alle ihren verdienten Spaß haben, um uns selbst gerecht zu werden“. Klingt zunächst selbstverständlich, wird aber bei Weitem nicht immer so gehandhabt, wie sich die Runde anhand einiger Gegenbeispiele schnell einig wird.

Das Kölsch ist auf, schon drängt die Zeit. Keith Murry und Chris Cain wollen ja nicht zu spät zu ihrer eigenen Party kommen, die – so viel dazu – absolut hält, was „We Are Scientists“ versprechen. Wenn auch bei gut zweistündiger Konzertdauer ihre Songs dann doch als etwas zu gleichförmig gestrickt erscheinen – womit sie sicher keinerlei Besonderheit darstellen. Es ist vielmehr ihre mitunter nur schwer zu fassende Mischung aus charismatischer Distanz und aufrichtiger Nähe, die „We Are Scientists“ zu einer ganz besonderen Band macht, deren Zugänglichkeit doppelbödig beschaffen bleibt.

Vielen Dank für den Plausch, das Konzert – und alles Gute für den weiteren Tourverlauf.
Auf bald…

Dumb Luck: http://vimeo.com/84054215

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