The Mary Onettes laden ein

27 Minuten Traumzustand

„Portico“ (Labrador / Broken Silence, ab 11. April erhältlich) – mit 27 Minuten Laufzeit ein vollwertiges Album? Die vier  Tagträumer aus dem schwedischen Jönköping würden dies mit Fug und Recht bejahen, denn: Aufgrund seines kaum fassbaren Schwelgezustands, der noch dazu scheinbar ohne Höhen und Tiefen auskommt, sollte das Album gleich zweimal hintereinander gehört werden, um den intendierten Effekt und die „normale“ Laufzeit zu erreichen. Ganz schön clever, die Jungs – ein Attribut, das auch für ihre gravitationsfern gewobenen Arrangements gilt.

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Mut zur Kürze: Portico (Broken Silence)

Mut zur Kürze: Portico (Broken Silence)

Um es vorweg zu nehmen: „Portico“ hat eine eigenständige Qualität, doch es lässt dabei eins vermissen: den zumindest einen Track, der hängen bleibt, einen Track, der sich aufdrängt. Doch genau den wollten die Schweden bewusst vermeiden. Bei „Portico“ geht es ums bedingungslose Schweben und Schwelgen, jede „catchy tune“ würde dabei doch nur stören. Nachvollziehbar, aber nicht unbedingt zu loben, zumal der Vorgänger „Hit The Waves“ mit imperativen Treffern nur so gesät war. Die Mary Onettes haben es versäumt, auf „Portico“ einen Genre-Sommerhit zu kreieren. Doch angesichts ihrer Schreib- und Veröffentlichungsfreude mag die Hoffnung zuletzt sterben. Auf baldigen Nachschub. In unverbindlicher Schönheit, wie sie „Portico“ durchweg bietet, am besten im Modus „Repeat“.

Vermutlich stellt „Portico“ mehr Intermezzo denn Zäsur dar. Ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Vollendung. Das Bemühen um eine authentische und zugleich innovative Transferierung des 80ies-Wave-Gitarrensounds ins Hier und Jetzt bereitet auf dem Umweg „Portico“ das Meisterstück vor. Darauf gilt es zu wetten und zu setzen.

themaryonettes.net

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