Dass musikalische Mischformen heute auf Trinidad überwiegen, verdankt sich den höchst unterschiedlichen Ethnien, die dort zusammentrafen. Die religiöse Musik der afrikanischen Yoruba und Ewe-Fon überwog zwar an Einfluss bis heute, doch vermischte sie sich teilweise mit den Einflüssen der Inder, die auf die Insel gebracht worden waren, um die Arbeitskraft der schwarzen Sklaven zu ersetzen. Als eine solche Mischgattung kann der Calypso beispielhaft genannt werden:

Rhythmus-Pattern der Calypso-Tanzform (User Hyacinth)
Rhythmus-Pattern der Calypso-Tanzform (User Hyacinth)

In den 1950er Jahren galt er geradezu als Modetanz mit einem charakteristischen 2/2 bzw. 4/4-Takt, wobei der Habanera ähnliche synkopierte Pattern-Varianten typisch sind. Was bei aller Begeisterung für die rhythmische Prägnanz dieser (Tanz-) Liedform leicht vergessen wird: Die Texte sind häufig mit Satire gewürzt und nicht selten zweideutig, manchmal auch an Tagesthemen orientiert. Im Zweiten Weltkrieg beispielsweise wurde die US-amerikanische Präsenz auf Trindidad häufig durch den Calypso kritisch kommentiert. Der legendäre Bananaboat-Song etwa wurde rasch auch in Europa bekannt. Die Steel Drums mit ihren unterschiedlich gespannten Feldern, auf denen klassische europäische Tonleitern gespielt werden können, wurden seit den 1930er Jahren für den Calypso verwendet und sind seither auch auf Tobago weit verbreitet. Außerdem setzten Musiker sie im Reggae ein.

Vermutlich rührt der Name des Calypso von dem im 19. Jahrhundert zu einer gewissen Blüte gelangten caiso oder cariso her, dessen Protagonisten Gros Jean, Papa Cochon oder Soso heute noch genannt werden. Gerade das Überwiegen von Witz, Ironie und Spott garantierte eine Massenwirkung, die anhält. Der Liedtypus des Calypso erscheint in den Steel Bands charakteristisch in einer zweiteiligen strophischen Form mit Refrains, wobei es sich jeweils um viertaktige Phrasen mit instrumentaler Einleitung und manchmal auch Zwischenspielen handelt.

Steelpan-Musiker in der High Street von Trinidad (2007, Shanel)
Steelpan-Musiker in der High Street von Trinidad (2007, Shanel)

Traditonell gehören zum Instrumentarium des Calypso und seinen Varianten wie der soca seit Ende der 1970er Jahre Trommel(n), das shak shak, Bass und Gitarre. Darüber hinaus kamen in den 1920er Jahren in manchen Besetzungen Klarinette (oder ein anderes Blasinstrument), Klavier und gelegentlich eine Geige dazu. Die harmonische Struktur ist einfach, häufig werden Molltonarten gebraucht, was von einigen dem venezolanischen Einfluss zugeschrieben wird. Freilich übte der Jazz auch großen Einfluss aus, was die Verwendung alterierter und erweiterter Akkorde belegt.

 

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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