Trias steht zur Veröffentlichung an

Fluttery im Frühling

Seit seiner Gründung vor sechs Jahren genießt das vielfältig ausgerichtete Label Fluttery Records bei Künstlern und Musikliebhabern einen sehr guten Ruf. Gründer Taner Torun sorgt mit seiner Firmenpolitik, die in nahezu altruistischer Weise das Wohl der Musik im Schilde führt, für einen konstant hochwertigen Katalog, der sich in den explizit gewählten Metiers – „bright home for modern classical, ambient and post-rock“ – als ein zur Plattenfirma gewandetes Trüffelschwein erweist: Fluttery Records, neben Denovali das vielleicht wichtigste Label für die genannten Spielarten!

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Schon mal gespielt, noch zu selten gehört: Astrowind (Fluttery Records)

Schon mal gespielt, noch zu selten gehört: Astrowind (Fluttery Records)

Für diesen Monat stehen gleich drei Veröffentlichungen auf Fluttery Records an, auf die das Erdenrund vielleicht nicht gewartet hat (das wartet auf etwas ganz anderes…), die aber die Bandbreite musikalischen Ausdrucks mit illustren Aspekten weiten. Beginnen wir mit “Somewhere The Music Has Been Played”, einer Re-Issue des Letten Kirils Lomunovs alias Astrowind. 2007 erstmals aufgelegt, erhält das Album endlich (seit dem 4. April) seinen gebührenden Rahmen. Dabei klingt es, ob oder wegen der Verwendung von in die Jahre gekommenen russischen und japanischen Analog-Synthesizern, zeitlos entrückt. Astrowind eben. Und ein Album, das von den Widersprüchen lebt, die es miteinander verrechnet und so überwindet. Ein charmanter Hang zum Imperfektion schwingt mit, das handwerkliche Experiment bleibt mit jeder Note spürbar. Kirlis Lomunovs gestaltet sein orbitales Auswärtsspiel offensiv, ohne aufdringlich zu werden.

Kirils Lomunovs (Fluttery Records)

Kirils Lomunovs (Fluttery Records)

Keine Angst vor Ferne, organische Emanzipation. Nur ab und an erschiene eine menschliche Stimme, ein Sprach-Sample zumindest, als Erlösung von der Schwebe. Gravitation als Sehnsuchtsmoment, ein beeindruckendes Werk, das sich erklärter Maßen auch als Alternativ-Soundtrack zu Tarkowskis „Stalker“ anbietet, respektive zu den Filmen des „Stalker“-Darstellers, Alexander Kaidanovsky.

Am 11. April erscheint mit “In Between” nach einigen EPs das erste Vollalbum von Row Boat, Projekt des Briten Mark Wardale, der seinen Impetus sowohl skandinavischen Landschaften als auch dem Willen, für das Auf und Nieder einer zwischenmenschlichen Beziehung musikalischen Ausdruck zu geben, verdankt. Und genau dieser Aspekt geht auf, erscheint doch „In Between“ als ein gleichermaßen rätselhaftes wie gewolltes Misslingen.

Mark Wardale alias Row Boat (Fluttery Records)

Mark Wardale alias Row Boat (Fluttery Records)

Zumeist gibt das Klavier den Auftakt zu einer emotionalen Nachvollziehbarkeit, nur um postwendend von einem erratischen Verharren abgewürgt zu werden. Ähnlich wie Kirlis Lomunovs bevorzugt Mark Wardale die Schwebe (weniger als ephemerer Zustand, denn als Endstadium gedacht), geht dabei aber das Risiko ein, als „Stimmungs-Töter“ missverstanden zu werden.

Ohne sich allzu derber (offensichtlicher) Effekte zu bedienen, gelingt es Mark Wardale, die in seine Kompositionen implementierten Momente von Hoffnung und Zutrauen konsequent zu unterminieren. Man müsste vor „In Between” warnen, wenn es vor lauter Konsequenz nicht so sehr zu empfehlen wäre. Eine glückliche Beziehung mag anders klingen, eine geglückte ähnlich, die Fjorde schweigen.

Eine Woche später ist der Portugiese Gonçalo Pareira als Diamond Gloss mit dem Album “Nomawkish“ am Start. Der Vorgänger “Bears” war noch von einer Leichtigkeit, ja, von einer Partystimmung geprägt, die auf dem neuen Output komplett gegenstandslos geworden ist. Sich eigenmächtig in der Tradition von Arvo Pärt oder Henryk Górecki verortend, klingt Diamond Gloss wie eine Mischung aus dem experimentellen Brian Eno und dessen melodieverliebten Bruder, Roger. Gonçalo Pareira gönnt sich und seinen Hörern überwiegend edle Einfalt und stille Größe.

Gonçalo Pareira  blickt auf "Nomawkish" (Fluttery Records)

Gonçalo Pareira blickt auf „Nomawkish“ (Fluttery Records)

Das technische Muskelspiel oder die intellektuelle Herausforderung, das Prätentiöse, nein, das ist nicht Seins. Stattdessen weiß er die Balance zwischen Beliebigkeit und Larmoyanz auszutarieren, sein Duktus bleibt bescheiden und dabei umso nachvollziehbarer. Sein Einsatz von „Micro-Beats“ spricht Bände: Exzellent gesetzt, entfalten sie ihre Wirkung mit einer Unaufdringlichkeit, die vielen extrapolierten „Stars“ der Szene (SOHN, etwa) auch gut zu Gesicht stünde. Aber – wer braucht schon Äußerlichkeiten, wenn es so viel erlesene Innerlichkeit zu erleben gilt, wie mit den Veröffentlichungen von Fluttery Records?

flutteryrecords.com

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