Sachlich betitelt erscheint diesen Gründonnerstag “The Warner Bros. Years 1987-1991“ (Warner Music Entertainment), ein fünfteiliges CD-Boxset, das die unsterblichen Bee Gees auf einem Höhepunkt ihrer von Höhepunkten (und Tiefschlägen) nicht gerade arm gesäten Karriere zeigt. Besonders hervorzuheben ist in diesem Package der komplette Konzertmitschnitt „One For All“, Melbourne 1989, auf zwei CDs. Denn dort gelang Barry, Maurice und Robin eine Homogenität, welche die unterschiedlichen Stile ihres Schaffens auf einen Nenner bringt: Popmusik vom Allerfeinsten, die nie vergeht: Bach, Beethoven, Bee Gees!

Schöne Brillen, bessere Lieder: Bee Gees (Randee St Nicholas / networking media / Warner)
Schöne Brillen, bessere Lieder: Bee Gees (Randee St Nicholas / networking media / Warner)

Bleiben wir noch einen Moment bei dem Mitschnitt, dem Kaufargument schlechthin: Wenn die Bee Gees mit „Ordinary Lives“ einsteigen, bleibt kein Auge trocken. Es ist ein Manifest der Familie, der großen Erfolge, der Nahbarkeit. Und, natürlich, das eines großartigen Songs, einer von vielen großartigen Popsongs, von denen die Bee Gees vielleicht noch mehr zu bieten haben als etwa die Beatles (mit denen sie ja hin und wieder verglichen werden oder verglichen werden sollten, doch das ist lange her).

Um die Lust auf die Box noch zu steigern: Es gibt ein Medley zu genießen, das innerhalb von gut zwanzig Minuten die immense Bandbreite der Gebrüder Gibb in schierem Überfluss dokumentiert. Vom „New York Mining Disaster 1941“ über „Heartbreaker“ (Dionne Warwick) und zurück, zurück zu „Spicks And Specks“. Sehr reizend auch: „Words“, wobei sich die Gibbs am Mikro derart duellieren (und dabei gekonnt scheitern), dass zwangsläufig Assoziationen zu Elvis‘ „Lonesome“-Lache aufkommen: „Schlimme“ Schnulze, wunderbar aufbereitet, mit Hilfe des Publikums, man wäre gerne dabei gewesen. Doch – das geht ja jetzt, dank Barry Gibbs aktiver Nachlassverwaltung, als deren Ergebnis nun das Boxset vorliegt.

Die Box enthält – ferner – die Warner-Erfolgsalben „ESP“, „One“ und das – in Deutschland auf Platz 2 gechartete und dennoch merkwürdig sperrige – „High Civilization“, jeweils ergänzt um zuvor unveröffentlichte Demos und Outtakes, die empfinden lassen, mit welch Lust an der Akribie die Bee Gees vorgegangen sind. Trends setzend (oder diesen vorgeblich folgend), haben sie letztlich den Status der Unverwechselbarkeit erreicht. Jeder Ton kann „so“ nur von ihnen stammen. Ob Popmusik nochmal so gut, so zutreffend, stringent und gleichzeitig locker werden kann?!

Leider kommt die Box etwas lieblos aufgemacht daher: Booklet, Liner-Notes – Fehlanzeige. Doch angesichts des wesentlichen Inhalts (und des attraktiven Verkaufspreises) ist dieses Manko gelinde zu verkraften. Niemand benötigt Bilder der Gibbs, es hat sie doch jeder im Kopf: den schönen Barry, den schüchternen Maurice, den linkischen Robin. Und ein jeder: die Musik der 3 plus x im Ohr.

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