Einen Mond bis A U R O R A

Ben Frost zwischen Kongo, Reykjavík und Batteriesäure

Hard Facts beiseite, nur diese: Ben Frost wurde 1980 in Melbourne, Australien, geboren. Fünfundzwanzig Jahre zuvor erblickte Graeme Revell in Auckland, Neuseeland, das „Licht“ der Welt. Wem diese soeben konstruierte Nähe nicht auf Anhieb einleuchtet, der hat „A U R O R A“ (ab 23. Mai, Mute / GoodToGo) noch nicht gehört. Und vielleicht auch nicht das stilbildende Meisterwerk des Neuseeländers – und inzwischen längt etablierten Hollywood-Scorewriters – Graeme Revell, damals als SPK (Surgical Penis Klinik, Sozialistisches Patienten Kollektiv, Seppuku) mächtig unterwegs, so etwa mit „Leichenschrei“, der vielleicht gelungensten Platte der Industrial Music!

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Morgenröte, göttlich, in Salzsäure aufgelöst: Ben Frost (Mute / GoodToGo)

Morgenröte, göttlich, in Salzsäure aufgelöst: Ben Frost (Mute / GoodToGo)

Nach dreiunddreißig Jahren erhält sie einen Rivalen: Ja erhält sie, und er heißt „A U R O R A“!!! Und – was heißt schon „modern“ oder „neu“ – und was bedeutet „Rivalität?! Was modert und mäandert, ohne modernisierend zu moderieren, braucht keine Promotion! Nur die Gewissheit: Einmal gehört, nie vergessen!

Der Kosmopolit Ben Frost hat mit (tatmächtiger) Unterstützung – Greg Fox (Liturgy), Shazad Ismaily, Thor Harris – ein Album erschaffen, das sich heutzutage sofort zwischen sämtliche Stühle setzt, vor Jahrzehnten aber heftig beklatscht worden wäre. Und gut jetzt mit dem SPK-Vergleich (der aber verbürgend zutrifft).

Ben Frost benötigt indes auf der begleitenden Bildebene keine Vivisektionen, Lobotomien oder Grubenunglücke, um Wirkung zu erzeugen. Seine Musik scheint wie gottgegeben, als wie schon immer „da“ gewesen. Sie zu hören, sich auf sie einzulassen kann schmerzen; aber nie so vernichtend peinigen wie etwa jene Musik-Folter, wie sie in Guantánamo, Aleppo oder Stalingrad eingesetzt wird / wurde.

Es ist niemandem zuzumuten, unwillentlich „A U R O R A“ ausgesetzt zu werden. Aber wer sich freiwillig dem ätzenden Charme von Ben Frosts Meisterwerk aussetzt, mal für eine knappe Stunde alles ausblendet, um die lyrische Kraft des Industrials zu erfahren, – der wird reich beschenkt.

Kongo? Island?! Weltmusik ohne Tradierung … (wenn nicht der Neuseeländer wäre).
Blame it to heartbeat.

http://vimeo.com/88070906

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