Vor kurzem einigten sich der britische Komponist Max Richter und die Deutsche Grammophon auf einen Exklusiv-Vertrag. Schließlich gehört Max Richter zu den Top-Sellern der Grenzgänger zwischen populärer Klassik und ambitioniertem Experiment. Und ihm dürfte das Prestige-Label eine  größtmögliche Aufmerksamkeit ebenso sichern wie die erstklassige Aufbereitung und Distribution seiner Werke. Wie zum Beweis erschienen soeben erweiterte Fassungen von „Recomposed by Max Richter: Vivaldi, The Four Seasons“, als Standard und Deluxe Edition.

Klassisch reduziert: die Gestaltung (Deutsche Grammophon)
Klassisch reduziert: die Gestaltung (Deutsche Grammophon)

Das beliebteste (und somit wohl auch bekannteste) Werk der Barockmusik erfuhr durch Max Richter eine treffliche Modernisierung. Nach De- und Rekomposition der gesamten Notation und unter Einsatz eines Moog-Synthesizers wurde die Neueinspielung von Daniel Hope und dem Konzerthaus Kammerorchester Berlin unter der Leitung von André de Ridder zu einem viel beachteten Erfolg, sowohl in künstlerischer als auch kommerzieller Hinsicht.

Die Standard-Edition wartet nun mit der neuen, fünfteiligen und rund fünfzehnminütigen Richter-Komposition „Shadows“ auf, eine Art Phantasie auf Vivaldis Themen, die sich deutlich vom klassischen Duktus des bekannten Materials absetzt. Es handelt sich vielmehr um Soundscapes, die der kompositorischen Traditionen der experimentellen Elektronik zuzuordnen sind. Dabei wird eine Wirkung erzeugt, die an die Ursachen für den „Verlust“ der Jahreszeiten, beziehungsweise die stets extremer werdenden Wetterverhältnisse gemahnt.

Mit vier Remixen des bekannten Materials sowie einer DVD, die eine Live-Performance von „Recomposed by Max Richter“ (mit dem Orchester „L’arte del mondo“) glänzt die Deluxe-Edition. Die Remixes, die ihren jeweils eigenen Akzent und Schwerpunkt setzen, besorgen der Berliner Produzent Robert „Robot“ Koch, die Londoner Electro-Formation Fear Of Tigers, die ebenfalls in London beheimatete Indie-Rockband (!) NYPC sowie Meister Richter selbst.

Vor allem angesichts der Bonus-CD ist zu konstatieren, dass die Deutsche Grammophon mit der „Verpflichtung“ vom Max Richter endgültig den Schritt ins musikalisch Zeitgenössische vollzieht. Es darf mit Spannung auf die zukünftige Auswahl von Künstlern und Komponisten des experimentellen Spektrums geschaut werden, die das Label mit dem großen Namen noch vornehmen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert