Frühestens am 23. Mai, eventuell ein bis zwei Wochen später, erscheint das neue, dritte Soloalbum des norwegischen Blues-Crooners Sivert „Höyem“ Høyem, „Endless Love“ (Hektor Grammofon / Rough Trade). Stilistisch ziemlich genau zwischen dem schwerblütig aufgeladenen Erstling „Moon Landing“ und dem phasenweise deutlich verspielteren Nachfolger „Long Slow Distance“ angesiedelt, überzeugen auch die neuen Songs: Als Variationen von standardisierten Bluesballaden, die auf Sivert Høyems nach wie vor phantastische Stimme angewiesen sind, um Charakter und Größe zu erlangen.

Und wenn er nicht gestorben ist: Endless Love (Hektor Grammophon/RTD)
Und wenn er nicht gestorben ist: Endless Love (Hektor Grammophon/RTD)

Ob das Songmaterial wirklich so stark ist, wie es aufgrund der immensen Aufwertung durch den gesanglichen Vortrag ad hoc erscheint, sei dahingestellt. Für heute und die Nachwelt bleibt es wichtig festzuhalten, dass Sivert Høyem seinem Stil treu bleibt und weiterhin spontane (Freuden-)Tränen und wohlige Schauder auszulösen weiß. „Little Angel“ zum Anspieltipp erkoren, fällt keiner der zehn Tracks aus dem Raster selbstgesteckter Qualitätsmerkmale. Sehr schön auch die postrockigen Anklänge bei „Enigma Machine“.

Sarkastisch formuliert birgt die Zusammenarbeit mit Sivert Høyem erhöhte Lebensgefahr. Nachdem aufgrund des Verscheidens von Bandleader Robert Burås die auf ihre Art unerreichten Madrugada gleichsam das Zeitliche segneten, hat es kurz vor der Fertigstellung von „Endless Love“ nun seinen Manager Per Eirik Johansen erwischt. „Per Eirik war während meiner gesamten Karriere für mich da. Es wird merkwürdig sein, ohne ihn weiter­zumachen“, gesteht Sivert Høyem den Nachhall über einen weiteren schwerwiegenden Verlust ein.

Doch Schlafes Bruder hat mit dem bluesigen Gewicht im stimmgewaltigen Schaffen von Sivert Høyem verhältnismäßig wenig zu suchen. Vielmehr geht es inhaltlich um – Liebe und deren Konsequenzen (die bekanntlich „kälter“ daherkommen können als Freund Hein). „Endless love is not enough“, sinniert Sivert Høyem im Titeltrack und dürfte als Leitsentenz der Lebensweisheit eines gestandenen Mannes entsprungen sein. Droht dieser bei dem famosen „At Our Evening Table“ an der Einsicht der Vergeblichkeit noch zu zerbrechen, setzt „Ride On Sister“ als Outro ein Zeichen bescheidener Hoffnung.

Sivert Høyem hat die meisten Gitarrenparts selbst eingespielt. Produziert wurde das Album von Ulf Ivarsson, der auch den Basspart übernahm, an den Reglern saß Michael Ilbert, der sich auch schon für Bands wie The Cardigans oder The Hives seine Meriten verdient hat. Als Gast steuert Progressive Metaller Per Viberg (Ex-Opeth) feine Details bei. Insgesamt eine mehr als reife Leistung, die sich allerdings völlig frei von Überraschungen gestaltet. Wozu auch, Hauptsache Sivert Høyem singt, so großartig wie gewohnt.

Video zu „Inner Vision“:

http://www.youtube.com/watch?v=-CtNWwruYJk

„Wat Tyler“ live:

http://www.youtube.com/watch?v=Saqt4J4c1vo

Tourdaten  (Support: The Dead Lovers), leider rar gesät:

25.05.2014  DE-Hamburg, Knust
26.05.2014  DE-Frankfurt, Das Bett
27.05.2014  DE-Berlin, Heimathafen Neukölln
29.05.2014  CH-Zürich, Komplex 457
30.05.2014  CH-Bern, Bierhübeli

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