„Bless My Heart, Bless My Soul“ – Alabama Shakes und die Auferstehung des Bluesrock

Es gibt im Leben wenige unverrückbare Wahrheiten. Wenn eine dieser wenigen jedoch ins Wanken kommt, ist das um so traumatischer. Ein solches Trauma wurde mir jedenfalls letztes Jahr  zuteil, als ich im Auto saß und im Radio Hold On von den „Alabama Shakes“ lief. Bis zu diesem Moment war eine meiner universalen Wahrheiten nämlich die, dass es nur eine einzige letztgültige, unantastbare Verkörperung von zottelbärtigem Südstaatenrock gibt, nämlich Lynyrd Skynyrd. In diesem Moment begann ich zu zweifeln.

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Alabama Shakes. Photo by Fred Rockwood

Alabama Shakes. Foto: Fred Rockwood.

Was die „Shakes“ aus Alabama nämlich da gerade ablieferten, war Skynyrd oder John Fogertys CCR an krächzender Fulminanz mindestens ebenbürtig. Bluesiger Rootsrock erdigsten Kalibers drang da in meinen Gehörgang; ein schlichtes, eingängiges Riff paarte sich mit dem rauchigen, raumgreifenden Organ von Brittany Howard, Frontfrau der begeisternden Formation.

Howard wurde von der „New York Times“ bereits mit Janis Joplin verglichen. Zwar sind solche Vergleiche im hyperventilierenden Sensationsjournalismus weit verbreitet und oft falsch. Nicht so bei Howard. Sie klingt durchgehend, als hätte sie gerade eine Flasche Johnny Walker Black getrunken und ein paar Schachteln Marlboro geraucht. Wahrscheinlich tue ich ihr damit aber Unrecht, und sie hat derlei abgenutzte Klischees gar nicht nötig, um ihren Stimmbändern die berserkerhaften Brachialklänge abzuringen.

Die „Alabama Shakes“ jedenfalls wurden 2009 in Athens, Alabama gegründet und veröffentlichten 2012 ihr erstes, grandioses Album Boys & Girls, das postwendend in drei Kategorien für die diesjährige Grammy-Verleihung nominiert war, unter anderem in der Kategorie „Best Rock Performance“ für dem bereits eingangs gehuldigten Hold On.

Außer Howard sind noch Zac Cockrell (Bass, Gesang), Heath Fogg (Gitarre, Gesang) und Steve Johnson (Schlagzeug, ebenfalls Gesang) am ehrlichen, den Siebzigern fest verbundenen Sound beteiligt, der genau so klingt, wie eine Rockband klingen muss, die ihre Heimat irgendwo zwischen Mobile und Montgomery, Greenbow und Tuscaloosa verortet.

Die „Shakes“, denen jeder Starrummel fremd ist, haben im Moment Oberwasser, was jeden Freund guten Bluesrocks nur begeistern kann. Ihre Popularität steigt täglich, und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis den eindringlichen Hymnen auf Boys & Girls weiteres vorzügliches Songmaterial folgt; im besten Fall gekrönt von einer Europa-Tournee!

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