Uups, es war natürlich Jack Haunt gemeint, eine(r) von gleich drei Veröffentlichungen aus dem Osnabrücker Hause Timezone, das sich im Claim lapidar als „… a record company“ bezeichnet. Um auf diese hinzuweisen, gilt höchste Eisenbahn – so sie nach Norddeutschland führt. Denn die von Timezone vertretenden Acts versprühen allesamt eine weniger als dezente Note, die auf Hamburg und das Hamburger Lebensgefühl verweist (das sich, wie im Falle von Jack Haunt, kaum von anderen Großstadtgefühlen unterscheidet).

Dezente Größe: Pape und Konsorten (Timezone)
Dezente Größe: Pape und Konsorten (Timezone)

Lotto King Karl, „Clowns Und Helden“, na, klingelt da was? Na klar, Christian Pape steckt ja dahinter. Und mit „Die Einsamkeit des Schwimmers“ kriecht er erhobenen Hauptes aus dem Hintergrund empor (wenn er nicht gerade im Volksparkstadion zu HH für Stimmung sorgt: Ich hoffe, wir treffen uns nächste Saison in Liga 1, dies nebenbei). Und mit ihm, vor allem, Christof Osburg. Gemeinsam haben sie ein Album kreiert, das bei aller vorpreschenden Stimmungsmache filigrane Finessen und ruhige Momente nicht vernachlässigt. Die Liebe zum Lied, mit der „Die Einsamkeit des Schwimmers“ eingespielt wurde, sie ist authentisch auf Konserve übertragen worden (natürlich von Christian Pape und Christof Osburg höchstpersönlich). Quintessenz?! Zitat eines Freundes von Christian Pape: „Das Album vermittelt mir eine Melancholie, die mich tanzen lässt.“ Wunderbar! (bereits erhältlich).

Junger Mann mit Tonbandgerät: Golly (Timezone)
Junger Mann mit Tonbandgerät: Golly (Timezone)

Bereits erhältlich ist auch die Veröffentlichung des hanseatischen Musikstudenten Golly, „Nur einmal“. Strukturell befasst er sich mit technisch gekonnt abgedämpften Funk-Pop, inhaltlich mit den üblichen Dingen des Daseins. Wenn er sich zur Ballade neigt, wie in dem berührenden „Irgendwie immer“, dann läuft er simultan zur großen Form und zu Hitpotenzial auf. Seine funky beschwingt angelegten Tracks lassen, indes und gelinde gesagt, noch Luft nach oben. „Ich will doch nur leben“ – also: Hören und von mir aus gerne auch – kaufen!

Einen Heiermann in den Hut: "Busking Tunes" (Timezone)
Einen Heiermann in den Hut: „Busking Tunes“ (Timezone)

Und dann noch Jack Daniel’s. Pardon: Jack Haunt. Oder Daniel Stryczek, der auch für die Produktion von „Busking Tunes“ (ab 23. Mai erhältlich) verantwortlich zeichnet. Lässig gute Laune verbreitend, lässt er seine Zuhörer von Urlauben, Strandpartys und Leichtigkeit träumen. Inhaltsleer und sonnig, launig und kompetent (Mundharmonika). Die Bellamy Brothers hätten ihn wohl nur zu gern zum Bruder. Doch die werden weiterhin ihre Millionen zählen, während Jack Haunt als Straßenmusiker jeden Cent, mit unerschrockener Haltung, zeitintensiv verdienen muss. Es sei denn, sein Album „Busking Tunes“ wird zu einem Seller, es ist ihm uneingeschränkt zu wünschen. „In Parliament“ geht nicht mehr aus dem Kopf. Und inhaltlich hat Jack Haunt ohnehin Recht.

Gut zu wissen, dass es Labels wie Timezone gibt. Völlig szeneübergreifend immer was zu entdecken, so soll es sein! Jetzt aber geht mein Zug, nach Hamburg über Osnabrück – Höchste Eisenbahn!

timezone-records.com
facebook.com/pages/Jack-Haunt/169205129851245
golly-music.com

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