„My Mirror, Your Target“ (V2 Benelux / H’ART, ab morgen erhältlich) betitelt, ergeht sich die panbritische Formation Revere in hymnischen Wave-Eskapaden, die Bands wie Editors, Maximo Park oder Interpol schlicht klingen und alt aussehen lassen. Der Trick dabei ist hier der Aufwand: Sieben Mitglieder fabrizieren unter Einsatz von Streichern, Piano und Bläsern ein Klangspektrum, das über die verflucht eingängigen Songstrukturen kaum hinwegtäuschen kann. Klezmer meets Postrock, melodramatische Filmmusik trifft auf pervertierten Gospel. Kaum auszudenken, wie das live klingt. Auszudenken anlässlich von leider nur zwei Konzerten.

Sehen doch ganz normal aus: Revere (Gem Hall / H'ART)
Sehen doch ganz normal aus: Revere (Gem Hall / H’ART)

Nachdem Revere den heimatlichen Boden bestellt und dort von sämtlichen musikbeflissenen Meinungsträgern exzellente Kritiken eingeheimst haben, machen sie sich nun auf, den Rest der Welt mit ihren heiter melancholischen Hymnen zu erobern. Auf die gesangliche Performance fokussiert, steht in der ausführlichen Pressemitteilung ein trefflicher Vergleichsversuch: „Als ob Ian Curtis Scott Walker singen würde“. Das wollen wir mal so stehen lassen.

Doch auch ohne den Einsatz der stimmlichen Komponente überzeugt „My Mirror, Your Target“ auf Anhieb, wie das Stimmen nur als Soundelement verwendende „Code“, das zur Albummitte einen großspurigen Ausflug wagt. Kathedrale aus Klang! Und gleich ein freches „These Halcyon Days“ hinterhergeschoben. Ja, auch die Track-Abfolge ist bestes dramaturgiert, das oftmals beschworene „spannende“ Hörerlebnis ist bei Revere Programm und eingelöstes Versprechen zugleich.

„My Mirror, Your Target“, du kannst mich nicht treffen. Aber Revere zielen nicht nur – mitten ins Herz.

Video zu „These Hacyon Days“:
vimeo.com/86605896

Zwei Gigs in D:
04.06. Köln (Blue Shell)
05.06. Berlin (Privatclub)

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