Meisterwerke der polnischen Musik XIV

Grażyna Bacewiczs Violinkonzerte

Insgesamt 7 Violinkonzerte veröffentlichte Grażyna Bacewicz (1909 – 1969), der es, wäre sie nur älter geworden, sicher gelungen wäre, sich zur großen polnischen Symphonikerin zu entwickeln. Die Konzerte sind sehr unterschiedlicher Natur, sie folgen Tendenzen und Vorbildern je nach dem Zeitraum ihrer Komposition. Trotz aller Verschiedenheit lässt sich aber durchwegs die Brücke erkennen, die sie von der Idiomatik Karol Szymanowskis zu Witold Lutosławskis tonal sehr freien Werken schlägt. So bizarr ihre Orchestermusik mit Solist in manchen Passagen erscheinen mag, so leuchten doch immer wieder melodisch anmutige Linien in den Streichern neben dem Einsatz markanter Bläserakkorde auf.

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Bacewiczs Violinkonzerte Nr. 2, 4 und 5, gespielt von Joanna Kurkowicz (Chansons, 2011)

Bacewiczs Violinkonzerte Nr. 2, 4 und 5, gespielt von Joanna Kurkowicz (Chansons, 2011)

Nach Studien in Łódź und Warschau hatte die selbst aus Łódź stammende Tonkünstlerin 1932 ihre Ausbildung bei den damals überragenden Dozenten Nadia Boulanger und Carl Flesch in Paris fortgesetzt. Bald kehrte sie allerdings in ihre Heimat zurück. Vielleicht erklärt sich die Popularität der Komponistin in Polen – aber zunehmend auch in anderen europäischen Ländern – aus ihrer Bekanntheit als Musikpädagogin über die Grenzen hinweg. Was ihre tonschöpferische Arbeit betrifft, so lassen sich drei Hauptphasen ausmachen: eine anfängliche klassizistische Schreibweise, die gefolgt wird von einer folkloristisch orientierten Stilausrichtung und schließlich von der Arbeit mit seriellen Techniken.

Das Denkmal für Grazyna Bacewicz in einem Park in Bydgoszcz (Pit1233)

Das Denkmal für Grazyna Bacewicz in einem Park in Bydgoszcz (Pit1233)

Die Violinkonzerte umspannen dabei einen weiten Zeitraum von 1937 bis 1965, was ihre enorme Unterschiedlichkeit plausibel macht. Dabei war Bacewicz noch in ganz anderen musikalischen Genres beschlagen: Sie komponierte Ballette, zum Beispiel Vom Bauer zum König (1954), Symphonien, Violoncellokonzerte, Streichquartette, Kantaten und Lieder. Die Geigerin Joanna Kurkowicz hat bereits eine Auswahl aus Bacewiczs Kammermusik für Violine und Klavier aufgenommen; 2009 und 2011 spielte sie mit dem Polnischen Radiosymphonieorchester unter dem ebenso jungen Dirigenten Łukasz Borowicz 6 der insgesamt 7 Konzerte für ihr Instrument beim Label Chandos ein (B002BZET5O, B0053HAXZW).

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.