Holger Czukay neu aufgelegt

Der Osten bleibt rot

Längst überfällig und doch anders als erwartet erscheint am 11. Juli endlich eine Neuauflage von Holger Czukays musikalischen Wundertüten „Der Osten ist rot“ und „Rome Remains Rome“ (Groenland Records/RTD). Es handelt sich um eine Auswahl von insgesamt sieben Tracks beider Alben, die um Czukays höchstpersönliche Mixe von „Music In The Air“, „Sudetenland“ und „Der Osten ist rot“ ergänzt werden. Neben dem schnöden Download wartet die audiophile Version als Doppel 10‘‘ im Triple-Gatefold-Cover (Paul Mudd Murphy) mit einem Poster auf.

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Klingeling, Czukay kommt (Groenland/RTD)

Klingeling, Czukay kommt (Groenland/RTD)

Holger Czukays 84er Meisterwerk „Der Osten ist rot“ war lange Jahre nur als sauteurer Import erhältlich. Mit dem Nachfolger „Rome Remains Rome“ (`87) verhielt es sich ähnlich, wenngleich beide Alben zwischenzeitlich auch schon mal kurzfristig als Hybrid erhältlich waren. Dieser Hybrid (und eben nicht beide Werke im originalen Komplettzustand) erfährt nun seine Renaissance, samt dreier bislang unveröffentlichter Remixe, die der Meister offenbar lustvoll selbst vorgenommen hat.

Jah Wobble, Jaki Liebezeit und Holger Czukay kreierten mit den beiden Alben ein völlig neues Verständnis von Weltmusik. Clevere Collagetechniken und Samples einigten sich mit der gegebenen instrumentalen Finesse zu zeitlosen Dokumenten einer Weltreise, die das Heimische ebenso galant verzerrte, wie die sehnsüchtig antizipierte Ferne, die doch stets auch Fremde bleibt. Multiple Kaleidoskope, ebenso leicht und beschwingt wie dräuend verunsichernd.

Künstlerpresönlichkeit, mit oder ohne Chapela (Groenland/RTD)

Künstlerpresönlichkeit, mit oder ohne Chapela (Groenland/RTD)

Insbesondere mit „Der Osten ist rot“ erlebte der „Solo“-Künstler, besser, die Marke Holger Czukay einen weiteren Frühling. Endlich war es ihm gelungen, sich auch im Studio konturierter als zuvor aus dem langen Schatten von Can herauszuschälen. Und eine dereinst für musikalisches Neuland empfängliche breite Öffentlichkeit dankte es ihm, indem sie „Der Osten ist rot“ rasch den Status eines Kultalbums erlangen ließ. Unterhaltung auf höchstem (pop-)musikalischen Niveau.

Wer’s noch nicht kennen sollte, der muss nun zugreifen. Und wer es schon kennt, der darf sich nun davon überzeugen, dass diese Werke nichts von ihrer Frische und überbordenden Originalität verloren haben: „Schaue vertrauensvoll in die Zukunft“. Also, flott aufs „Rhönrad“ geschwungen und ab zum Vinyl-Dealer.

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