Grandiose Edition

Jethro Tull eröffnen Passionsspiele

Mit ihrem 73er Album haben sich Ian Anderson und Konsorten vielleicht keinen Gefallen getan. Doch nach über 40 Jahren tun sie uns nun den Gefallen, ihr umstrittenes, schwieriges Album „A Passion Play“ mustergültig erneut aufzutischen. Mit „An Extended Performance“ halten „Tull“ Wort: Eine absolut gelungene Neuauflage, bei der u. a. auch Steven Wilson (Porcupine Tree) seine feinen Fingerchen mit im Spiel (sic) hatte. Ab 11. Juli ergeht über Parlophone/Warner der Pflichtkauf für alle Proggies und Musikliebhaber dieser Welt.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Jane Colthorpe liegt hernieden (Parlophone/Chrysalis/Warner)

Jane Colthorpe liegt hernieden (Parlophone/Chrysalis/Warner)

Sich über das Eigentliche, die Musik an sich, hic et nunc auszulassen, verbietet die lebhafte Diskussion in Legionen von Foren und Blogs. Nur soviel: Der unter widrigen Umständen entstandene Nachfolger zum Mega-Album „Thick As A Brick“ (nun ja, „Aqualung“ gefällt mir seit ich fünf bin um Längen besser) bietet auch heute noch lukullische Eigenarten derart en masse, dass generelle Ablehnung nur auf Borniertheit schließen lässt.

Und jetzt dieser Trumm, bestehend aus 2 x CD und 2 x DVD, plus einem Booklet, das kaum noch eine Frage offen lässt. Als da wäre: Das von Steven Wilson behutsam, nicht überkandidelt,  remasterte Original, dito im 5.1. Surround-Mix (um den theatralen Kontext noch besser herauszuarbeiten) sowie die letztlich (doch nicht) gescheiterten Aufnahmen im Château D’Hérouville, die den Vorläufer zu „A Passion Play“ bildeten.

Die Genese des Albums wird qua Booklet (Buch) herzergreifend detailliert dokumentiert, wobei auch mit Selbstkritik nicht gegeizt wird. So bereut Ian Anderson „A Passion Play“ damals verbrochen zu haben. Heute sehe er sich eher in der Lage, die explizit vergeistigten Inhalte des Albums artgerecht zu interpretieren. Aber wer Ian Anderson ein wenig kennt, weiß seinen stets klugen Hang zur Selbstironie zu schätzen.

Reden wir nicht über die Musik. Gepriesen sei diese Edition, die mustergültig auftrumpft. Zum Bersten gefüllt mit musikhistorisch relevanter Information, mit Huldigung und Anstand (Steven Wilson). Und das alles um einen Preis, bei dem man meinen könnte: Fast geschenkt. Eins rauf mit Mappe!

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