WGT Nachlese - Teil Vier

„Durchweg positiv“

Unpolitisch bunt, dem einzig wahren Thema zugeneigt (Cornelius Brach)

Unpolitisch bunt, dem einzig wahren Thema zugeneigt (Cornelius Brach)

amusio: „Wie ist aus Deiner Sicht das WGT denn entstanden?“

Cornelius Brach: „ Hierzu verweise ich gerne auf das gelungene Feature des MDR. Die Idee eines DDR-Goths, klandestin eine Party für Schwarze zu veranstalten, zu der dann statt der erwarteten zwanzig zweihundert Leute kamen, ich denke, das war die Keimzelle.“

amusio: „Wenn ich als Künstler auf dem WGT auftreten möchte – was hätte ich dann zu beachten?“

Cornelius Brach: „Aufgrund unserer Unabhängigkeit von den Belangen des Marktes können wir uns die Zeit nehmen, jede Eingabe, jede Bewerbung zu prüfen. Nichts bleibt ungehört, schließlich wollen wir vor allem auch noch unbekannten Acts ein Forum bieten, so die Qualität im Sinne der Veranstaltung stimmt. Es gibt zwei Menschen im Team, die nichts anderes tun, als sich mit Musik zu beschäftigen. Die beiden sondieren rund um die Uhr. Und umgekehrt funktioniert das Verfahren auch. Wir fragen bewähre Bands an, die es sich dann überlegen – und auf dem WGT ihre Auferstehung feiern, wie `Placebo Effect‘. Um nur ein Beispiel zu nennen. “

amusio: „Also weiterhin keine designierten Headliner?“

Cornelius Brach: „Genau. Wir könnten sicher die üblichen, die großen Namen an Land ziehen, doch dieses Kalkül vermeiden wir sehr bewusst. Das Treffen steht im Vordergrund, die Musik, so wichtig und verbindend sie auch ist, mag als zweite Instanz gelten. Darum veräußern wir auch keine Tageskarten oder Billets für einzelne Veranstaltungen. Dies würde sicher zu noch mehr Besuchern und für entsprechend mehr Umsatz sorgen, doch dies würde das WGT in seinem ureigenen Sinne verraten.“

amusio: „Wobei ihr etwa mit den ‚White Lies‘ oder ‚Slowdive‘ diesmal schon Headliner in das ‚Herz‘ des WGT, die Agra-Halle gelotst habt. Acts, die nicht unbedingt im schwarzen Kontext zu verorten sind.“

Cornelius Brach: „‚White Lies‘ waren sich zunächst ihrer Sache nicht sicher, sie hatten noch nie auf einem explizit schwarzen Festival gespielt. Nun wollen sie nur noch auf schwarzen Festivals spielen (lacht). ‚Slowdive‘ waren sicher ein Highlight, in dieser Nacht wurde auf beeindruckende Weise deutlich, wie sehr diese Band stilbildend für tausende andere Bands gewesen ist. Nichts gegen Szene-Bands wie ‚Umbra Et Imago‘ oder ‚Christian Death‘, die ihrerseits fantastische Sets hingelegt haben. Doch muss ich zugeben, dass die Integration von nicht generell szene-affinen Bands dem Festival sehr gut tut.“

amusio: „Ja, Slowdive…“

Cornelius Brach: „Von Sigur Ròs bis Mogwai, die haben alles beeinflusst … was für eine Band! Auch für mich ein Höhepunkt des gesamten Festivals, wenn auch nur aus musikalischer Sicht.“

amusio: „Und aus nicht-musikalischer Sicht?“

Cornelius Brach: „Es stimmt uns wohlgelaunt, dass wir das WGT als Institution haben etablieren können. Wir sehen uns als Veranstalter weder genötigt, noch einen drauf zu setzen, noch uns zu reduzieren. Ich denke, dass das WGT inzwischen eine Größe erreicht hat, über die zu diskutieren nicht lohnt. Sicher sind wir daran interessiert, noch mehr Besucher begrüßen zu dürfen, aber nicht auf Teufel komm raus.“

Vielen Dank, Cornelius Brach. Wir sehen einander spätestens zu Pfingsten 2015.
Alle diesbezüglichen Infos wie immer hier!

Rückblickend dort:
mdr.de/kultur/wgt184.html
m.mdr.de/artour/video202350.html
wdr.de/tv/rockpalast/extra/konzerte/2014/0606_3/video_cornelius_brach_iv.jsp

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