Interview mit Norman Gatzke und Martin Grimm

Asturias. Ein Klassiker der Gitarre in neuem Gewand

Die ersten Takte des 1886 entstandenen Werks „Asturias“ aus der Feder von Isaac  Albéniz dürfte nahezu jedem geläufig sein. Doch wie es dann weitergeht, das blieb bislang häufig den Experten und Liebhabern der klassischen Gitarre vorbehalten. Im Rahmen eines ausbaufähigen Projekts hat der Gitarrist Norman Gatzke gemeinsam mit dem Produzenten Martin Grimm (Collapse Under The Empire) den geglückten Versuch unternommen, dem anspruchsvollen Stück auch visuell eine neue Zugänglichkeit zu erschließen. (Zum Genießen u. a. hier: youtube.com/embed/EaulkBrO59c?rel=0″).
Im Gespräch mit amusio geht es neben besagter Einspielung und Inszenierung auch um die Geschichte der Gitarre und sich abzeichnende, gemeinsame Vorhaben.

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Norman Gatzke interpretiert Asturias (finaltune)

Norman Gatzke interpretiert Asturias (finaltune)

amusio: „Als ich auf Eure außergewöhnliche Einspielung von Isaac Albéniz‘ berühmtem Werk aufmerksam wurde, hatte ich es gedanklich glatt mit den „Recuerdos De Alhambra“ von Francesco Tarrega, einem ebenso bekannten Gitarrenstück verwechselt. Was hat Euch dazu bewogen, sich dem gemeinhin geläufigen „Asturias“ zu widmen, warum fiel Eure Wahl auf diesen Klassiker der Gitarrenmusik?“

Norman Gatzke: „Ich beende zurzeit mein Gitarren-Studium und habe bereits vor zweieinhalb Jahren damit begonnen, „Asturias“ zu spielen. Dabei haben mich einige meiner Kommilitonen schon ein wenig komisch angeguckt, gelten in Fachkreisen doch viele Passagen der Komposition als altbacken. Aber meine Lehrer haben mich stets dazu ermuntert, das Stück in der Gesamtheit seiner Dimensionen zu erarbeiten. Viele Gitarristen spielen aufgrund des hohen Wiedererkennungswerts die ersten zwölf Takte und brechen dann ab, dabei wird es danach erst so richtig spannend und anspruchsvoll, da trennt sich die Spreu vom Weizen, so man es professionell spielen will. Also habe ich mich intensiv mit „Asturias“ beschäftigt.“

amusio: „Was ja ursprünglich für Klavier geschrieben wurde.“

Norman Gatzke: „Genau. Aber es ist so tief in der spanischen Musikgeschichte verwurzelt und da in Spanien die Gitarre jenen Stellenwert genießt, wie bei uns etwa das Klavier, verwundert es nicht, dass Gitarren-Adaptionen entstanden und sehr populär geworden sind. In der Zeit meiner Bearbeitung habe ich mir natürlich viele Interpretationen angehört und angesehen, was mich ungeachtet der gebotenen Qualität weiter motiviert hat, noch tiefer in die Materie von „Asturias“ einzudringen.“

amusio: „Aber ohne andere Studienschwerpunkte zu vernachlässigen.“

Norman Gatzke: „Das will ich nicht hoffen. Ich spiele gerade wieder eine Bach-Fuge und bei Bach wiegt jede Note zunächst einmal zwanzig Kilo (lacht). Aber das Schwere, das auf dem Notenblatt Hochkomplexe leicht und locker zu spielen und auch entsprechend leicht klingen zu lassen, das ist mein Maßstab und mein Ziel. Das gilt natürlich auch für die klassische spanische oder für die romantische Gitarrenmusik. Auch sie erfordert ein tiefes Eindringen und ein offenes Mitempfinden, das weit über die technische Beherrschung oder die akademische Kenntnis hinausgeht. Nur moderne Sachen spiele ich nicht so gerne, ich bleibe lieber bei tonaler Musik (lacht).“

Key-Visual Asturias (finaltune)

Key-Visual Asturias (finaltune)

amusio: „In jüngster Zeit wurden auf amusio gleich zwei Solo-Gitarrenalben besprochen: Grutera und Land Observations. Glaubst du, dass der akustischen Gitarrenmusik eine Renaissance ins Haus steht? Dass vielleicht aufgrund des Engagements junger Gitarristen das öffentliche Interesse wieder auf die spezielle Eigenarten, die besondere Klangfülle des Instruments gelenkt werden kann?“

Norman Gatzke: „Absolut. Aber ich muss dazu sagen, dass die akustische Gitarre seit jeher Renaissancen durchlaufen hat, die eng mit dem Gitarrenbau und den dadurch immer wieder neu entstandenen Möglichkeiten einhergingen. So spiele ich nun einen so genannten Doppeldecker aus Vogtländer Manufaktur, der über eine zweite Klangdecke unterhalb der ersten verfügt. Dadurch entfaltet sich jeder Ton viel direkter und klingt auch wesentlich dauerhafter, so dass etwa einzelne Töne innerhalb eines dichten Klangteppichs, wie etwa bei „Asturias“, nicht mehr wie üblich als verschwommene Akkorde wahrgenommen werden. Es lassen sich also einzelne Töne klarer herausarbeiten. Mein Lehrer hat mir zunächst noch von dem Doppeldecker abgeraten, da er auch in technischer Hinsicht andere Ansprüche stellt als eine klassische Konzertgitarre. Doch ich hoffe, dass jene modernen Optionen, die Instrumentenbauer und Akustiker ermöglichen, mit zu einer Belebung der Gitarrenszene beitragen werden.“

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