Es ist schon eine feine Sache, wenn ein Musikmagazin über Informanten verfügt, die selbst eine Organisation wie die NBA nur neidvoll erblassen lässt. Derart privilegiert lassen wir unsere treue Leserschaft nur allzu gerne an dem unbezahlbaren Wert jener Quellen teilhaben, die unsere Redaktionsbüros permanent mit den neuesten Neuigkeiten befeuern. Mit journalistischem Stolz präsentieren wir exklusiv die ersten Höreindrücke vom neuen Pink Floyd Album. Und gleichermaßen als allererste Musikredaktion des Universums zwei Visuals, die bei der Gestaltung des Covers von „The Endless River“ eine „maßgebliche Rolle“ (Informant) spielen werden.

Mit Blick auf einen endlosen Fluss (Informant/ ViSdP Stephan Wolf)
Mit Blick auf einen endlosen Fluss (Informant/ ViSdP Stephan Wolf)

Aus an dieser Stelle nicht weiter zu vertiefenden Gründen, ist es uns leider nicht möglich, die vorliegenden Vorab-Tracks zu streamen oder zum Download anzubieten. Wer will schon Ärger mit der GEMA riskieren, nicht wahr? Es gilt also Vertrauen gegen Vertrauen, wenn wir uns dem ersten von drei vorliegenden Stücken, Arbeitstitel „The Semifinal Lapse Of Rhodes“, rein deskriptiv annähern.

Auf der Basis eines ungehalten rumpelnden Rockabilly-Gerüsts überlagern sich Sprachsamples, wobei die Stimmen von Arthur „Bomber“ Harris, Jimmy Savile und Eddie Jordan klar zu identifizieren sind, bis Richard Wright (von wo aus auch immer) endlich erlösendes Tastengas gibt. Nach einem Klarinettensolo als Bridge (ordnungsgemäß NS vs. OW) meldet sich David Gilmour per Vocoder: „As fires fell from bright skies / children saw the sunset rise“. Und prompt ist es präsent, das Floydische, wie es nur Floyd selbst hinbekommen kann. Allerdings endet der Track nach einem gut und gerne zehn Sekunden währenden Gitarrensolo Gilmours erstaunlich abrupt.

Mit einem anregenden Sampling-Tohuwabohu startet auch Track zwei „Goats From Salt Lick City – Sheep Part Two“ durch. Die von Hennes VIII angeleiteten FC-Ultras von der Südtribüne des Rhein Energie Stadions („Nie mehr zweite Liga“) vermengen sich mit kaskadierend strukturierten anglikanischen Kirchenglocken und Field Recordings aus dem Lake District. Bei genauerem Hinhören entgeht dem aufmerksamen Vorlauscher nicht, wie zu alledem auch noch Helium aus einem Plastikschwein entweicht. Das alles ergibt Sinn, schließlich mündet die Kakophonie in einen Euro-Shanty-Technoknaller, die Gilmour mit gepitchter Minnie-Maus-Stimme zu Höchstform auflaufen lässt: „Hail and obey / we stay, we stay“ (als Co-Produzenten haben sich H.P. Baxter und „De Höhner“ nicht lumpen lassen).

Traumata? Desiderat? Floyd geben wieder Rätsel auf (Informant / ViSdP: Stephan Wolf)
Traumata? Desiderat? Floyd geben wieder Rätsel auf (Informant / ViSdP: Stephan Wolf)

Als eine lupenrein raumgreifende Ballade, die sich der brandneuen 7.1. Multiple Ultimate Quadrophenia-Technologie in diegetisch-dramaturgischer Form zunutze macht, erweist sich Track drei („And The Angle Saw Some Ass“). Hier hat offenbar Auto-Narr Nick Mason, nach geglücktem Aufkauf sämtlicher Trabis, das Mikro übernommen, während David Gilmour mit appregierter Maultrommel zu glänzen weiß. Allein die Lyrics bleiben nebulös: „As Barrett played barré/wearing a beret/along the barriers/towards Barry Island”, was soll das?!

Erstes Fazit: Nicht übel. Aber da muss noch mehr kommen, damit “The Endless River” in adäquater Weise die nächsten dreißig Jahre Pink Floyd anzuleiten vermag. Warten wir es also ab, es sei denn, unsere Informanten versorgen uns weiterhin mit Frischware aus geheim gehaltenen Studios. Quid sit futurum cras, fuge quarere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert