Mit ihrem Album „Blonde“ (Nettwerk/Soulfood, ab 8. August) legen Josh Ocean und Eric „Doc“ Mendelsohn aus New York Hand an. Und verabreichen mit beseelten Fingern an Keys und Reglern dem angestaubten Popsound der achtziger Jahre eine Frischzellenkur, die sich mit sämtlichen Emulsionen der nicht totzukriegenden Epoche auskennt. Als wären Ghost Beach mit Tears For Fears, Human League oder Schlimmerem (The Thompson Twins etwa) aufgewachsen, aber nicht doch: Jungspunde die sie sind, haben sie lediglich sehr gut zugehört und ihre cleveren Schlüsse gezogen. Prompt gehören sie mit „Blonde“ ab sofort zu den Speerspitzen eines perpetuierenden Revivals.

Sehen so gar nicht nach 80ies aus: Ghost Beach (ghostbeachmusic.com)
Sehen aber gar nicht nach 80ies aus: Ghost Beach (ghostbeachmusic.com)

Mit ihren beiden Vorgänger-EPs blockierten Ghost Beach bereits die Sonnenplätze auf Hype Machine. Um diesen durchschlagenden Starterfolg zu erklären, verweisen die beiden Künstler gerne auf ihr kreatives Umfeld. „In New York zu sein, hilft uns, Inspirationen genauso schnell aus uns heraussprudeln zu lassen, wie wir sie aufsaugen“, erläutern sie ihren selbsternannten „Tropical Grit Pop“, dessen Ursprung tatsächlich eher in sonnigeren und heißeren Gefilden zu vermuten wäre. Denn „Blonde“ klingt durchgängig nach Freiluft-Dancefloor, Beachvolleyball und Cocktails, weniger nach den überbordenden Straßenschluchten und der im Big Apple allgegenwärtigen Hektik auf der Suche nach dem nächsten großen Thrill, Thing oder Deal.

Sounds (auch) für Villa Kunterbunt: "Blonde", Ghost Beach (Nettwerk / Soulfood)
Sounds (auch) für Villa Kunterbunt: „Blonde“, Ghost Beach (Nettwerk / Soulfood)

Das Soundspektrum reicht – um noch ein paar Namen in die Runde zu werfen – von Level 42 („Without You“) über Dalbello („Tear Us Apart“) bis hin zu dem Schlusstrack „Too Young“, der mit ein wenig Phantasie an eine zu schnell abgespielte David Bowie B-Seite aus der „Glass Spider“-Phase erinnert. Aber Josh Ocean und Eric „Doc“ Mendelssohn dürften bei aller Selbstbedienung an der gängigen Musik von vor ca. 30 Jahren eine eigene Handschrift ins Feld führen wollen. Wenn auch die Details (zumindest für Blagen ihrer Zeit) allesamt als wohlbekannt durchgehen sollten, so mag der Gesamteindruck dem Selbstverständnis von Ghost Beach durchaus schmeicheln. Frisch, frei, fröhlich und somit durchaus auch eine Option für Kinderhitparaden wie etwa auf KiRaKa (WDR).

Ghost Beach, „Without You“:
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