Devonté Hynes mit erstem Filmscore

Sanft plätschernde Melancholie

Am 1. August erscheint via Domino Records/GoodToGo als CD, LP und Limited Vinyl der Score zu „Palo Alto“, einer Verfilmung von Kurzgeschichten aus der Feder von James Franco (der dort auch eine Hauptrolle bekleidet) unter der Regie von Gia Coppola. Für die Filmmusik verantwortlich zeichnet sich das britische Multitalent Devonté „Dev“ Hynes, auch bekannt und geschätzt als Blood Orange. Dass die Wahl auf ihn fiel, lag nahe. Schließlich steuerte der vielseitige Musiker bereits vier Titel zum Soundtrack des Films bei, der bereits seit Ende Mai erhältlich ist. Ob und wann auch der Film nach Deutschland kommt, steht indes noch nicht fest.

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Schön anzuschauender Blick: Palo Alto-Cover (Domino / GoodToGo)

Schön anzuschauender Blick: Palo Alto-Cover (Domino / GoodToGo)

Natürlich rechtfertigt allein schon der Urheber die Veröffentlichung. Der nicht ganz dreißigjährige Devonté „Dev“ Hynes hat bereits in mancherlei Hinsicht unter Beweis gestellt, dass er sich in divergierenden Stilen und Musikgenres nicht nur auskennt, sondern auch innovativ mit ihnen umzugehen weiß. Sei es mit den Test Icicles, als Lightspeed Champion oder an der Seite der Chemical Brothers, Devonté „Dev“ Hynes erweist sich stets als ein scheuklappenloser Komplettmusiker, der weder Kommerz noch Experiment scheut.

Doch kann auch sein erster Gehversuch als Scorewriter – ohne die dazugehörigen Bilder – bestehen? Ja, sofern man keine Ausbrüche in die von Devonté „Dev“ Hynes‘ bisher beackerten Gefilde erwartet. Fast durchgängig ruhig fließt der Sound, manchmal plätschert er auch nur so dahin. Der Titelsong erweist sich als veritabler Ohrwurm, die sich anschließende Stimmung bleibt melancholisch und unterschwellig trist, was dem Sujet, adoleszente Wirren und emotionale Katastrophen, sicher gerecht wird.

Blood Orange aka. Devonté "Dev" Hynes (Stacey Mark)

Blood Orange aka. Devonté „Dev“ Hynes (Stacey Mark)

Allerdings bleibt auch festzustellen, dass Devonté „Dev“ Hynes mit dieser Arbeit noch keine individuelle Signatur gelingt. Die Musik könnte von diesem oder jeden stammen, jedoch nicht von angesagten Scorewritern wie Cliff Martinez oder Charlie Clouser, von den Granden der Zunft ganz zu schweigen. Aber Devonté „Dev“ Hynes legt nahe, dass er ein gutes Gespür für die Erzeugung von Stimmungen und Atmosphäre sein eigen nennt, womit er schon mal über die Grundausstattung eines Filmkomponisten verfügt. Und es steht zu vermuten, dass er seinen Beitrag ganz in den Dienst des Films gestellt hat. Auf selbstverliebte Spielereien oder aufdringliche Erkennungsmelodien verzichtet der Score und macht ihn zu einem angenehm zurückgenommenen Hörerlebnis, das aber nicht unbedingt die Stimmung aufzuhellen weiß.

Titelsong, auch auf dem Soundtrack-Album enthalten):
youtube.com/watch?v=ZyF0o_0ytg0

Behind The Scenes of „Palo Alto:
youtube.com/watch?v=BwqLSfYUt8U 

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