Geläufiges eigenwillig variiert

Younee brilliert mit „Jugendstil“

Nach Yiruma schickt sich mit Younee (sprich: Juni) der nächste koreanische Piano-Import an, die Herzen eines aufgeschlossenen Publikums mit modernen Interpretationen klassischen Kulturguts zu erobern. Auf welche Art und Weise ihr diese Herausforderung gelingt, legt ihr Album „Jugendstil“ (Fulminantmusic/Membran, ab 8. August erhältlich) nachdrücklich nahe. Die ungekünstelt juvenil und locker auftretende Pianistin besticht dabei mit ihrer völlig unvoreingenommenen Manier, allgemein bekannte Motive klassischer „Hits“ einer Verjüngungskur zu unterziehen, bei der sich Respekt und Respektlosigkeit auf wundersame Weise vereinen.

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Selbstbewusst: Younee (Fulminantmusic/Membran)

Selbstbewusst: Younee (Fulminantmusic/Membran)

Schon der Einstieg „Improptu ,Reminiscence‘“ verblüfft: Mit nahezu überirdischer Leichtigkeit entführt Yournee die berühmte „Promenade“ aus Mussorgsky’s „Bilder einer Ausstellung“ auf die Flaniermeilen heutiger Metropolen. Vielschichtig arrangiert sie binnen weniger Anschläge das Altbekannte um, ein Schlenker hier (Puristen schreien nun auf: „Sakrileg“), eine Nuance dort. Und schon will dem geneigten Hörer Mussorgski wie aus einem Jungbrunnen entsprungen dünken.

Doch das ist erst der Anfang. Mit jeden Abschnitt ihrer 66-mimütigen Reise durch die Historie klassischer Weisen gelingt es Younee, ihr Wagnis, das sich aus Jazz oder sogar dem Rockpiano nährt, souverän voranzutreiben. Dabei bedient sie sich explizit bei Bach, Beethoven, Bizet oder Chopin, selbst vor Rachmaninoff (Sonate Nr. 2) schreckt ihr bezauberndes Selbstbewusstsein nicht zurück. Und das „nur“ um mit nonchalanter Eleganz und wohltemperiertem Verve ihr eigenes Ding daraus zu machen.

Beherrschung mit Leichtigkeit: Younee (Fulminantmusic/Membran)

Beherrschung mit Leichtigkeit: Younee (Fulminantmusic/Membran)

„Ich hatte immer die Vorstellung“, kleidet Younee ihre Motivation und ihr Vorgehen in eigene Worte, „wenn Beethoven heute leben würde, dann würde er vielleicht andere Mittel verwenden. Wie würde er heute komponieren?“ Ja, vielleicht würde Beethoven eben nicht für jenen elitären Virtuosen-Wettbewerb komponieren, den die konservative Klassikszene beherrscht. Und den Younee frech und unverdrossen ablehnt. „In dieser Welt muss jeder das Gleiche machen, und am Ende geht es darum, wer besser ist. Und das ist überhaupt nicht mein Stil. Wie kann man mit Musik darum wetteifern, wer technisch besser ist?“, legt sie den Finger in so manch Musikerwunde. „Diese Wettbewerbsgesellschaft ist verrückt und macht krank.“

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