Interview mit Unzucht

„Stillstand ist immer Scheiße“

Seit ihrer Gründung 2009 reüssiert die Hannoveraner Band Unzucht als Garant für gepflegte Live-Action. Mit zwei durchweg gelungenen und überaus abwechslungsreichen Alben im Gepäck („Todsünde 8“, „Rosenkreuzer“) die Sau landauf landab durch Dörfer und Städte treibend, schließen sie mit Riesenschritten zur Spitze deutschsprachigen Dunkelrocks auf. Anlässlich des Kölner Amphi-Festivals referieren Daniel De Clercq (Gitarre, Gesang, Programming) und Alex Blaschke (Bass) erstaunlich abgeklärt über ihre Ziele als Band und über jene Kardinalfehler, die sie zu vermeiden wissen.

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Daniel De Clercq & Alex Blaschke freuen sich auf die Autogrammstunde (Stephan Wolf)

Daniel De Clercq & Alex Blaschke freuen sich auf die Autogrammstunde (Stephan Wolf)

amusio: „Ob als Headliner, Support oder als Bestandteil eines hochwertigen Festival Line-up: Ihr nehmt viele Gelegenheiten wahr, um euch zu profilieren. Und die Saat scheint aufzugehen. Wie geht Ihr damit um? Haben Unzucht inzwischen eine kritische Größe erreicht, die es erfordert, Selbstverständnis und Bandvision neu abzustecken?“

Alex Blaschke: „Kritische Größe ist zwar eine schöne Beschreibung, aber wir lassen uns von Erwartungshaltungen, die von außen an uns herangetragen werden nicht beeindrucken, sondern machen ganz einfach weiter, ziehen unser Ding durch.“

amusio: „Also kein Masterplan.“

Daniel De Clercq: „Doch schon, vor allem in unseren Anfangstagen nahmen unsere Pläne größenwahnsinnige Züge an, was aber auch unserem ehrgeizigen Manager zu verdanken war (lacht). Tatsächlich werden wir von mehr Bands angefragt, als dass wir Bands anfragen, um live etwas zu bewegen. Ob Machine Head, Papa Roach oder Rammstein, völlig egal, Hauptsache immer in Bewegung bleiben. Also lassen sich unsere hochtrabenden Pläne mittlerweile auch leichter umsetzen.“

Live eine Bank: Unzucht (Stephan Wolf)

Live eine Bank: Unzucht (Stephan Wolf)

amusio: „Dabei bietet eure stilistische Vielfalt außergewöhnlich umfangreiche Anknüpfungspunkte für eine breit gefächerte Publikumsakzeptanz.“

Daniel De Clercq: „Ich wollte zunächst nur elektronische Musik mit harten Gitarren machen. Aber dann fand die Band sehr rasch zusammen und jedes Mitglied brachte seine Vorstellungen und Vorlieben mit ein, auch wenn sie auf den ersten Blick ziemlich voneinander abwichen. Doch es ist uns gelungen, einen Konsens zu erzielen, der für unsere heutige Bandbreite entscheidend war. Ganz einfach: Wir mögen alle Mukke, und ich höre auch nach wie vor sehr viel. Dabei ist es völlig egal, um welches Genre es sich handelt, von Katy Perry bis Meshuggah ist alles dabei.“

amusio: „Und wie steht es um die Neue Deutsche Härte, in deren Nähe ihr ab und an gerückt werdet?“

Daniel De Clercq: „Gut gezielt, denn damit kann ich so gar nichts anfangen, das ist mir viel zu eintönig. Außerdem gibt es in diesem Bereich längst Bands wie Sand am Meer. Ich möchte mit Unzucht vielseitig, abwechslungsreich und unberechenbar bleiben. Dazu gehört auch, dass ich mich mit dem Schulz, unserem Sänger abwechseln kann. Der Schöne und der Böse sozusagen. Das hilft, um eben nicht schnell langweilig zu werden.“

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