Der Rest im Interview

„Die Zeit der Säuseleien ist vorbei“

Der Rest, 1999 von Philipp Taraz in Los Angeles gegründet, hat soeben mit „10 Lieder für Freunde“ (Artist Station/Soulfood) ein tiefschürfendes Album veröffentlicht, dessen schwerblütige Melange aus angepisster Haltung und unwiderstehlicher Melodik den Hörer fordert und dessen Geist fördert wie Bolle im Jobcenter. Am Rande seines gleichsam überzeugenden Gastspiels im Kölner „Blue Shell“ bekennt sich Philipp Taraz zur absoluten Authentizität als einzig gültige Rechtfertigung für sein Schaffen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Philipp Taraz im Blue Shell, Köln (Stephan Wolf)

Philipp Taraz im Blue Shell, Köln (Stephan Wolf)

Philipp Taraz: „Gemeinsam mit Markus Brox, einem Drummer aus Mannheim, und Chaz Wallace, einem total abgefahrenen Gitarristen aus Texas habe ich Der Rest in Los Angeles gegründet. Von Chaz stammte der Name, er meinte halt, er würde passen. Stattgegeben. Der Rest war und ist angelegt als Etwas, das nirgendwo reinpasst. Als das, was dann noch übrig bleibt. Musik für Leute, die ihrerseits nirgendwo reinpassen. Musik für Randgruppen. Und es ist wahnsinnig schwer, diese zu erreichen. Ich könnte es mir leichter machen, aber das reizt mich nicht.“

amusio: „Welche Erinnerungen verbindest Du mit deiner Band in den Staaten?“

Philipp Taraz: „Jede Menge. Aber besonders hervorheben würde ich die sich aus den dortigen Verbindungen ergebende Zeit mit Lydia Lunch und Gallon Drunk. Wir sind letzlich gemeinsam auch im Hamburger Hafenklang aufgetreten. Lydia Lunch ist eine fantastische, sehr ernsthafte Künstlerin. Dabei hat sie ein sehr einnehmendes Wesen, etwas sehr Mütterliches, mich hat sie sozusagen gleich adoptiert. Und von James Johnston von Gallon Drunk habe ich gelernt, dass man gleichzeitig introvertiert und exaltiert performen kann, dass sich Bewegung und Konzentration nicht ausschließen.“

Jeannine Max, Emanuel Bisping und Philipp Taraz sind Der Rest (Stephan Wolf)

Jeannine Max, Emanuel Bisping und Philipp Taraz sind Der Rest (Stephan Wolf)

amusio: „Wie kam es zur Wiederbelebung als Du nach Deutschland zurückgekehrt bist?“

Philipp Taraz: „Der Auslöser war sicher die zufällige Begegnung mit Nils Höffs, einem  leicht cholerischen Kontrabassisten, der mit Punk-Attitüde und quietschenden Reifen nicht nur sein bemitleidenswertes Instrument zu traktieren pflegte. So haben wir als rein akustische Band begonnen, allerdings mit elektrischer Verstärkung. Doch irgendwann wurde mir das Geschrubbe auf der Akustikgitarre schlicht zu anstrengend. Und so vollzog sich, ohne Nils am Bass, die Hinwendung zum rockigen Soundgewand.“

amusio: „Mit welcher Zielsetzung? Der Rest ist – beredtes – Schweigen?“

Philipp Taraz: „Ich will der Popwelt etwas sagen, weil ich etwas zu sagen habe. Mit energetisch passender Musik. Denn nur so kann es anno 2014 noch gehen, nur so kann heutzutage noch Relevanz in Anspruch genommen werden. Die Leute, die nichts mehr zu sagen haben, die sollen doch das Maul halten und zuhause bleiben. Die Zeit der Säuseleien ist vorbei.“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!