Interview mit Janus

Aufstand alter Männer

Nach knapp neunjähriger Abstinenz gaben sich die in jeglicher Hinsicht einzigartigen Janus endlich wieder die Ehre, an beiden Abenden des diesjährigen Amphi-Festivals im Theater am Tanzbrunnen zu Köln. Obwohl Dirk „RIG“ Riegert und Tobias „Toby“ Hahn völlig überraschend mit einem akustischen Jazz-Ensemble anrückten, geriet ihre Rückkehr auf die Bühne zu einem triumphalen Erfolg. Selbstverständlich machen spätestens jetzt Vermutungen hinsichtlich einer Tour und neuen Veröffentlichungen die Runde. Fragen wir also direkt einmal bei den beiden Solitären nach.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Entspannt im Beach Club: RIG und Toby (Stephan Wolf)

Entspannt im Beach Club: RIG und Toby (Stephan Wolf)

amusio: „Das erste Konzert zum Amphi-Festival liegt hinter euch, das zweite wird gleich folgen. Wie fällt euer zwischenzeitliches Fazit aus?“

Toby: „Es hat uns, der Band und offensichtlich auch dem Publikum viel Spaß gemacht. Doch tatsächlich waren wir etwas unsicher, ob wir es noch bringen würden. Aber für einen Aufstand alter Männer waren wir wirklich gar nicht so schlecht.“

amusio: „Bei euren Ansagen erscheint der Verweis auf euer moderat vorangeschrittenes Alter als eine Art Running Gag. Dabei handelt es sich doch um Koketterie, oder?“

Toby: „Teils, teils. Ganz ehrlich, nach so langer Pause die Fingerfertigkeit wieder hin zu bekommen, das kam nicht von alleine. Ich konnte mich nicht einfach wieder ans Klavier setzen und loslegen.“

RIG: „Es hat tatsächlich so manche Anstrengung gekostet, überhaupt wieder den Kontakt mit der Musik aufzunehmen.“

Herzblut, Schweiß und keine Tränen: RIG on stage (Stephan Wolf)

Herzblut, Schweiß und keine Tränen: RIG on stage (Stephan Wolf)

amusio: „Der wirklich so lange ausgeblieben war und ruhte?“

RIG: „Absolut. Ich habe keine Texte verfasst, keine einzige Melodie ersonnen. Es hat sich schlicht nicht ergeben. Keiner von uns beiden hat Anstrengungen unternommen, die zunächst kürzer geplante Pause zu beenden. Wir konnten und können es uns leisten, wir haben keinerlei vertragliche Verbindlichkeiten zu erfüllen. Und was das Morgen betrifft, schauen wir mal…“

amusio: „Geht das vielleicht eine Spur konkreter?“

RIG: „Wir können weder verneinen, noch bestätigen. Wir wissen es noch nicht. Aber wir sind milde positiv gestimmt.“

amusio: „Nach den immer aufwändigeren und opulenteren Produktionen der Vergangenheit erscheint euer rein akustischer Neuanfang als eine Art Downsizing. Könnte diese Tendenz in Zukunft weiter tragfähig sein?“

Toby: „Unsere Steigerung von Album zu Album war die logische Konsequenz aus den Erfahrungen, die wir nach und nach gesammelt haben. Denn, groß angelegt waren wir ja schon von Anfang an, aber es fehlten zunächst noch die Kenntnisse und Fähigkeiten. Doch der Rahmen, innerhalb dessen wir uns bewegten, erweiterte sich mit jeder Evolutionsstufe von Janus.“

RIG: „Tatsächlich war fürs Amphi-Festival zunächst eine andere Besetzung geplant, mit Konzertharfe und Celli. Dass wir nun als Jazzrock-Ensemble auftreten beweist auch, dass unsere Songs in unterschiedlichen musikalischen Kontexten funktionieren.“

Toby: „Wir hatten halt direkt ein paar echte Cracks am Start. Und so wollten wir keine Verwässerung durch jemanden zulassen, der qualitativ abgefallen wäre. Also haben wir die Suche nach weiteren Mittstreitern kurzerhand eingestellt. Und ich denke, unser Ensemble hat den Klangraum ordentlich gefüllt.“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!