1999 als nonets durchgestartet, beleben Mary, Bine, Silli und Nelly auf charmant eigenständige Art das A-Capella-Genre. Für ihre neue Veröffentlichung, „Bekannt aus Film und Fernsehen“ (ab 22. August, via Timezone Records & Distribution) haben sich die 4 Medlz dem unerschöpflichen Fundus der Filmmusik bedient. Dabei herausgekommen ist eine Doppel-CD mit sechzehn Adaptionen von populären Scores und Filmsongs, zuzüglich vier Eigenkompositionen, die sich thematisch dem gegebenen Rahmen anpassen.

And the Oscars went to: Medlz! (Timezone)
And the Oscars went to: Medlz! (Timezone)

Interessant ist zunächst die vorgenommene Auswahl. Denn es finden sich auf „Bekannt aus Film und Fernsehen“ glücklicherweise keine Titel, die schon tausendfach gecovert wurden. So taucht die „Titanic“ etwa nicht mit „My Heart Will Go On“ auf, sondern mit der „Hymn To The Sea“, welche die Medlz angehen, als ob sie Enya den Rang ablaufen wollen. Und nicht nur dort, denn das ätherische Säuseln durchzieht die gesamte Kollektion.

Doch es gibt auch jene Überraschungen und Brüche, wie sie von den experimentierfreudigen Medlz zu erwarten sind. Denn wer hätte gedacht, dass sich das „Halloween“-Thema, „Gangsta’s Paradise“ oder „Johnny’s Mambo“ in das Konzept nahtlos einfügen lassen? Dabei verlassen sich die Medlz nicht allein auf ihre stimmlichen Kompetenzen, sondern staffieren das Soundgewand mit allerlei Effekten und synthetischen Schleifen aus.

Die eigenen Songs, „Engel“, „Unsere Leben“, „Geh noch nicht“ (feat. Maybepop) und „Die Straße“, kommen erstaunlich bedeckt um die Ecke und stimmen nachdenklich melancholisch, als rein vokale MeisterInnenleistungen beeindrucken das (vorgeblich) live eingesungene Leonard Cohens „Hallelujah“ (das als von „Shrek“ abstammend deklariert wird und somit wieder in den thematischen Rahmen passt) sowie das anspruchsvoll von Freddy Mercury vorgegebene „Who Wants To Live Forever“ („Highlander“).

Sehr gelungen auch: Das Artwork, welches die Medlz als Oscar-Preisträgerinnen inszeniert, mit Glamour und Augenzwinkern zugleich. Und genau dort ist auch „Bekannt aus Film und Fernsehen“ zu verorten. Es ist diese respektvolle Respektlosigkeit, mit der sich die vier Hübschen den Originalen annähern, die das Doppelalbum zu einem kurzweiligen Vergnügen macht. Und das sicher nicht nur für Cineasten.

medlz.de
timezone-records.com

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