Beinahe gleichzeitig mit dem Antritt der neuen Generalmusikdirektorin am Erfurter Theater feiert auch die weithin bekannte Sängerin Ilia Papandreou ihr Rollendebüt in Puccinis Madama Butterfly. Joana Mallwitz, die vom Heidelberger Theater kommt, hatte die Oper bereits mehrere Male mit Erfolg an der Königlich Dänischen Oper in Kopenhagen gegeben. Neben der griechischen Sopranistin singen und spielen Richard Carlucci in der zweiten Hauptrolle des Leutnants Pinkerton, Katja Bildt als Suzuki und Kartal Karagedik im Wechsel anlässlich weiterer Aufführungen mit Juri Batukov im Gewand von Sharpless. Bei den Terminen am 26. Oktober und 13. Dezember wird Hye-Sung Na die Hauptrolle der Protagonistin des Librettos, Cho-Cho San, vertreten. Am 27. September, 19.30 Uhr, ist Premierenabend.

Aufführung von Giacomo Puccinis Oper Madama Butterfly 2010 am Armenischen Nationaltheater unter Alexander Spendiarian (Chaojoker)
Aufführung von Giacomo Puccinis Oper Madama Butterfly 2010 am Armenischen Nationaltheater unter Alexander Spendiarian (Chaojoker)

Puccini bezeichnete Madama Butterfly, uraufgeführt 1904 an der Mailänder Scala, zeitlebens als sein gelungenstes und modernstes Bühnenwerk. Tatsächlich gelang es ihm hier, die Verarbeitung japanischer Volksweisen und die mosaikartig aufgebaute „Musik der kleinen Dinge“ in eine musikdramatische Großform zu überführen, ohne dass eines dieser Elemente die Geschlossenheit der Oper hätte in Frage stellen können.

Wesentliche Vorarbeit leisteten hier ein weiteres Mal Puccinis Librettisten Luigi Illica und Giuseppe Giocosa, die Puccinis Forderung nach einer nur zweiaktigen Anlage umsetzten, indem sie den im Konsulat spielenden Akt strichen. Die Vorlage stammt übrigens von der gleichnamigen amerikanischen Tragödie von David Belasco, die wiederum auf einer japanischen Novelle von John Luther Long (1861 – 1927) beruhte. Bei diesem ersten Dichter des Plots handelt es sich um einen Juristen aus Pennsylvania, der im Bundesstaat New York wirkte und ebenso als Schriftsteller namhaft war.

Cole Porter, der Komponist des Musicals Kiss me Kate (unattributed s. fah has/ loc.natlib.scdb.200033557/default.html, p.d.)
Cole Porter, der Komponist des Musicals Kiss me Kate (unattributed s. fah has/ loc.natlib.scdb.200033557/default.html, p.d.)

Heiterer als mit dem schweren Stoff der Puccini-Oper geht es selbstverständlich in Cole Porters Musical Kiss me Kate von 1948 zu, die am 14. September um 18 Uhr im Großen Haus zum ersten Mal in der Saison über die Bühne geht. In den Hauptrollen sind Máté Sólyom-Nagy (Petruchio), Julia Neumann (Katharina) und Tim Ludwig (Lucentio) zu hören. Am Pult steht die griechische Dirigentin Zoi Tsokanou. Bis April 2015 sind neun Wiederholungen eingeplant. Bald nach den Musiktheaterstarts geht es für das Philharmonische Orchester Erfurt mit einem ebenfalls farbenreichen Konzertprogramm weiter: Am 9. Oktober um 20 Uhr dirigiert Joana Mallwitz die Uraufführung Kaleidoskop (2004) von Sarah Nemtsov, Strauss‘ Rosenkavalier und Schuberts „Große“ Sinfonie C-Dur.  Wer den ersten Termin verpasst hat oder nicht wahrnehmen konnte, kann den Konzertbesuch auch auf den 10. Oktober zur gleichen Abendzeit verschieben.

 

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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