Neaera zeigt sich dankbar: „Vor Fans aufzutreten ist die größte Belohnung“

Die Melodic-Death-Metal Band Neaera gehört mittlerweile zu den bekanntesten Metal-Bands Deutschlands. Mit „Ours Is The Storm“ haben die Münsteraner Jungs im März dieses Jahres bereits ihr sechstes Album auf den Markt gebracht – und das wieder mal mit großem Erfolg. Anlässlich der neuen Scheibe und der kürzlich absolvierten Headliner-Tour hatten wir die Möglichkeit, mit dem Neaera-Gitarristen Tobias Buck ein Interview zu führen.

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Dieser verrät amusio.com, warum Metal-Fans besonders treu sind, wie man auf einer Tour Stress vermeidet, welche Musiker ihn beeinflusst haben und warum man auf Fleisch gut verzichten kann.

Amusio: Euer neuer Tonträger „Ours is the storm“ ist auf Platz 48 der Top 100 Albumcharts eingestiegen. Damit hat es bereits euer drittes Album in die Charts geschafft – hättet ihr je damit gerechnet?

Tobias: Also planen kann man sowas nicht. Natürlich freut es uns, wenn es dann geklappt hat und man vom Label oder vom Management die gute Nachricht erhält.

Album-Cover Neaera

„Ours Is The Storm“-Cover (Copyright: Metal Blade Records)

Das ist ja auch ein schöner Indikator dafür, dass die Leute unsere Alben gerne kaufen.

Amusio: Zum Thema kaufkräftige Kunden: Ärgert es euch andersrum, wenn durch illegale Downloads weniger Geld in eure Kasse kommt?

Tobias: Also ich glaube, dass gerade Metal- und Hardcore-Fans die Musik noch immer vorwiegend kaufen. So mach ich das selbst auch. Vor der Veröffentlichung eines Albums ist ja mittlerweile alles recht gut abgesichert – dass die Scheibe dann nach dem Release nicht mehr geschützt ist, kann man halt nicht ändern.

Amusio: Ihr seid jetzt schon seit zehn Jahren dabei – wie schafft ihr es, so viel Kontinuität in eure Arbeit zu bekommen?

Tobias: Wir haben einfach Spaß an der Musik. Wenn ein neues Album rausgekommen ist, treffen wir uns eigentlich sofort schon wieder im Proberaum und basteln an neuen Songs.

Amusio: Wer schreibt bei euch die Songs und wer die Lyrics?

Tobias: Also für die Musik sind Gitarrist Stefan Keller, Schlagzeuger Sebastian Heldt und ich vorwiegend verantwortlich. Die Lyrics schreiben meisten Stefan und unser Bassist Benjamin Donath, wobei Stefan wohl den größten Anteil hat.

Amusio: Ihr kommt ja gerade von eurer Headliner-Tour zurück – welche Eindrücke sind besonders im Gedächtnis geblieben?

Tobias: Wir haben uns sehr über die große Resonanz gefreut. Obwohl gerade so einige Bands auf Tour sind, kamen doch sehr viele Besucher zu unseren Konzerten. Abgesehen von gelegentlichen technischen Problemen hat jeder Auftritt richtig Bock gemacht.

Amusio: Hat man als Headliner einer Tour besonderen Erfolgsdruck?

Tobias: Druck würde ich gar nicht mal sagen. Der große Unterschied ist, dass man eine viel umfangreichere Setlist hat. Als wir zum Beispiel im Januar mit Hatebreed auf Tour waren, hatten wir als Supportband nur etwa eine halbe Stunde Spielzeit. Da muss man schon genau überlegen, mit welchen Songs man das Publikum erreichen kann.

Metal-Band Neaera

Neaera-Posing (Quelle: Martin Grossman)

Als Headliner hat man über eine Stunde Zeit und kann auch mal wieder Songs aufführen, die man lange nicht gespielt hat. Es ist aber auch anstrengender, weil man viel länger auf der Bühne steht. Die Fans freut das natürlich und das wiederrum ist unser Ziel.

Amusio: Was macht denn mehr Spaß: Der kreative Prozess bei der Entwicklung eines neuen Albums oder live vor Fans zu spielen?

Tobias: Live zu spielen ist natürlich die Belohnung nach der langen Vorarbeit im Studio, weil man seine Songs dann endlich präsentieren darf. Anderseits gibt es auch tolle Momente im Proberaum, wenn man merkt, dass man gerade gutes neues Material erstellt.

Amusio: Ihr habt ja auch schon viel im Ausland gespielt. Unterscheiden sich die deutschen Metal-Fans von denen in anderen Ländern?

Tobias: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Hauptsache, die Fans haben Bock auf uns – dann ist es egal, ob wir in Moskau oder wo auch immer spielen. Der Hauptmarkt für uns ist aber nach wie vor in Deutschland. Trotzdem ist es toll, wenn wir auf einer Tour im Ausland sind und die Leute auch dort unsere Lieder abfeiern.

Amusio: Gibt es innerhalb der Band auch manchmal Zoff – zum Beispiel wenn man auf einer Tour solange aufeinanderhockt?

Tobias: Das war vielleicht früher so. Mittlerweile erkannt man schnell, wenn der andere mal nicht so gut drauf ist und lässt ihn dann eine Zeit lang in Ruhe. Das sind einfach Erfahrungswerte.

Amusio: Welche Bands haben dich persönlich als Gitarrist am meisten beeinflusst?

Tobias: Da gibt es viele wie At the Gates und Carcass oder Bolt Thrower, die meine absolute Lieblingsband ist. Aus Deutschland kann man da auch Heaven Shall Burn nennen. Solche Bands haben mich von Anfang an inspiriert.

Amusio: Was würdest du machen, wenn du kein Musiker geworden wärest?

Tobias: Also ich habe vor der Band ein Kochlehre gemacht, aber ich weiß nicht, ob ich diesen Beruf noch ausüben würde.

Amusio: Ein Großteil der Neaera-Mitglieder verzichtet auf Fleisch. Was sind die Gründe dafür?

Tobias: Die Gründen sind ethischer Natur. Wir wollen die Massentierhaltung, die zudem noch klimaschädlich ist, nicht unterstützen. Darüber wird in den Medien ja auch längst sehr viel berichtet. Man denke da nur an die Skandale mit dem Tierfutter oder den Tieren selbst. Das ist alles moralisch nicht zu vertreten und so haben sich einige von uns mittlerweile von der Fleischtheke verabschiedet. Damit fahren wir auch gut.

Amusio: Abschließend noch ein Blick in die nahe Zukunft: Welche Touren und Festivals stehen dieses Jahr noch an?

Tobias: Da ist so einiges in Planung, aber noch nicht alles davon ist schon spruchreif. Wir freuen uns natürlich auf die Festivals im Sommer wie das Summer Breeze und das Wacken Open Air. Gerade auf das Sommer Breeze freue ich mich besonders, weil mir der familiäre Charakter dort immer sehr gefallen hat.

Amusio: Wir danken für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg mit der Band.

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Über Stefan Huhn

In Münster aufgewachsen und dort auch Germanistik auf Magister studiert. Während und nach dem Studium mehrere Praktika im journalistischen Bereich absolviert. Nach einem Praktikum in England an der University of Exeter Students' Guild arbeite ich mittlerweile in München als freiberuflicher Journalist und Filmkritiker, schreibe Rezensionen und führe Interviews für diverse Online- und Printmagazine. Als Mitarbeiter von amusio.com möchte ich nun auch meiner Begeisterung für Musik Ausdruck verleihen. .