Spotlight auf den Musikkontinent Australien

Eine Insel – zwei fast (?) unabhängige Kulturen

Von Gesängen begleitete Tanzaufführungen der Ureinwohner Australiens sind die Corroboree, die ausschließlich der sozialen Organisation dienen und religiösen Sinn tragen. Kwa – der Tanz der Krähen, MityanMoon oder Kimba – Buschfeuer werden dabei gerne vom Didjeridu begleitet. Die Ritualmusik der Männer unterscheidet sich durch ihre rhythmisch höhere Komplexität von derjenigen der Frauen, die weniger hoch geschätzt wurde. Das östliche Arnhemland im Nordteil des australischen Kontinents und Groote Eylandt gelten als diejenigen Regionen mit der ältesten bei den Aborigines noch gepflegten Musiktradition. Penta- und heptatonische Gesänge im Westen Arnhemlands und auf der Insel Melville weisen dagegen auf Verbindungen zu Indonesien und Neuguinea hin.

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Rituelle Musik der Aborigines inkl. Dodjeridu bietet diese Aufnahme mit Ash Dargan (B004J8GQ0W, 2011) beim Label Indigenous Australia.

Rituelle Musik der Aborigines inkl. Dodjeridu bietet diese Aufnahme mit Ash Dargan (B004J8GQ0W, 2011) beim Label Indigenous Australia.

Auf der Einspielung Corroboree-do sind charakteristische zeremonielle Musik- und Tanzstücke der Aborigines versammelt. Sie geben einen Einblick in die (natur-)religiöse Sphäre eines der ältesten noch existenten Völker der Erde.
Um sakrale, durch Klänge beschworene Wesen, Menschen oder Gegenstände der Verehrung und Furcht handelt es sich auch beim Mond, den Vogelrufen, dämonischen Geistern, den ergrauten alten Männern, Känguruhs, magischen Steinen und Adlern. Im Unterschied zu anderen Musikkulturen sind die Übergänge vom „gesungenen“ Ton zum Brummen, Zischen und Heulen auf einer höheren Skala fließend, wobei häufig glissandoähnliches Absteigen der Stimme hin zum Murmeln und schneller rhythmischer Sprechgesang folgen. Da es sich um magische, also der menschlichen Natur enthobene Texte handelt, sollen die Worte auch nicht verständlich sein. Als Instrumente kommt außer dem Bumerang, elliptisch geformten Schwirrhölzern, Klappern, Schrapern, Rasseln und Holzstäbchen eben das Didjeridu zum Einsatz.

Wie sieht es in der hiervon zunächst völlig unabhängigen Kunstmusik Australiens aus, die hauptsächlich von irischen, britischen und daneben deutschen und anderen europäischen Einwanderern geprägt ist? Der Ire John Philip Deane (1796 – 1849) wurde als Paganini Australiens apostrophiert, Vincent Wallace (1812 – 1865) machte sich vor allem durch seine Klaviermusik einen Namen, dem Engländer Isaac Nathan (1790 – 1864), der mit Lord Byron befreundet war, folgt bis heute der Ruf als Begründer der australischen Nationalmusik. Seine Oper Don John of Austria wurde 1847 uraufgeführt. Eine europäische Karriere mit australischen Wurzeln verkörpert der Komponist Percy Grainger (1882 – 1961), der mit einer schwedischen bildenden Künstlerin verheiratet war. Eine gewisse „Landschaftsmalerei“ in der Musik setzte sich nach der spätromantischen Phase durch, wobei lokale Gegebenheiten ebenso wie japanische und indonesische Musik sowie die der Aborigines bis jetzt verstärkt einbezogen wurden.

Ging wegen der außergewöhnlichen Dachform um die Welt: das Opernhaus in Sydney (Chmouel Boudjnah).

Ging wegen der außergewöhnlichen Dachform um die Welt: das Opernhaus in Sydney (Chmouel Boudjnah).

Mittlerweile bestehen auf dem fünften Kontinent neben den sechs großen Rundfunk-orchestern in Sydney, Perth, Melbourne, Adelaide, Brisbane und Hobart sechs weitere große gleichwertige Orchesterapparate.

Mit der Musica Viva Australia konnte sich auch eine avantgardistische Szene etablieren. Weltweite Anerkennnung genießt die neue Staatsoper in Sydney, die aus der Elizabethan Theatre Trust Opera der Jahre 1955-56 hervorging. Opernhäuser in fünf großen Metropolen kamen hinzu. Das Programm in den Konzerthallen und Opern wird heute stark von der europäischen und amerikanischen Avantgarde mitbestimmt. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat in Europa etwa der erst kürzlich in Woollahra verstorbene Tasmanier Peter Sculthorpe (1929 – 2014) erlangt, vor allem dank seiner charakteristischen Stücke für Gitarre, zum Beispiel Kakadu (1993), für seine Klavierwerke, die frühe Piano sonatina oder Mountains und dank zahlreicher Orchesterwerke.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.