Anlässlich des „Gothic Castle”-Events zu Satzvey ergab sich die Gelegenheit für einen lauschigen Plausch mit den Mailänder Goth-Rockern von Bloody Mary. Genauer: Zu einem informativen Gespräch mit Sänger Aldebran und Gitarrist Dave, derweil Stranger (Bass), La Mountain (Lead Guitar) und Juerghen (Drums) sich bereits mit Kölnischer Braukunst auseinandersetzten. Auch um einen Gig zu feiern, der Bloody Mary gut getan zu haben schien.

Line-up: Bloody Mary di Milano (Bloody Mary / Valery Records)
Line-up: Bloody Mary di Milano (Bloody Mary / Valery Records)

Aldebran: „Unsere Musik hat in Italien leider kein großes Publikum. Sicher gibt es auch bei uns eine schwarze Szene, doch die wird von EBM und artverwandten Genres geprägt. Nicht umsonst wird im Ausland der italienische Beitrag zur Szene mit Kirlian Camera und Konsorten identifiziert. Ich kann mir allerdings nur einen stichhaltigen Grund zurechtschustern, um dieses für uns unerfreuliche Phänomen zu erklären: Es fehlt schlicht an einer Infrastruktur, wie Ihr sie hier etwa in Deutschland habt. Wir finden nicht statt, weil es kaum Foren gibt, die uns vor Ort berücksichtigen. Keine Magazine, kein Airplay, nur wenige – aber dann doch sehr gute – Veranstaltungen.“

amusio: „Es steht zu vermuten, dass Ihr etwa als Skandinavier schon längst den internationalen Durchbruch geschafft hättet.“

Dave: „Das mag sein. Ich vermute, dass der Italiener an sich ein Problem damit hat, sich mit unserer Haltung zu identifizieren. Und wenn doch, dann wird nach Importen geschielt. Denn Italiener, die nicht nur Amore preisen, sondern auch von deren Schattenseiten erzählen, ohne gleich wie Eros Ramazotti zu klingen, erscheinen den eigenen Landsleuten fremd.“

Men at work, some Bloody Mary in mind (Stephan Wolf)
Men at work, some Bloody Mary in mind (Stephan Wolf)

amusio: „Also muss Euer Weg zwangsläufig ins Ausland führen?“

Aldebran: „Und der ist ein verdammt steiniger. Wir haben schon in England und Deutschland gespielt. Und dort sind wir in offene Herzen gestoßen! Aber in gewisser Weise ist es unsere eigene Schuld, wenn wir als Band noch nicht dort angelangt sind, wo wir uns gut aufgehoben und anerkannt fühlen. Denn wir konzentrieren uns absolut auf die Musik, wir können nicht anders, die kommt von Herzen! Ich weiß, dass wir uns mehr um unseren Vertrieb, unsere Homepage, ja selbst unsere Facebook-Präsenz kümmern sollten, man kriegt halt nichts geschenkt und die Musik alleine reicht heutzutage leider nicht aus, um nach den Sternen greifen zu können.“

amusio: „Das lässt sich sicher noch in den Griff bekommen. Denn vor der internationalen Konkurrenz braucht Ihr Euch sicher nicht zu verstecken.“

Dave: „In gewisser Weise mag der bisherige, steinige Weg von Bloody Mary auch sein Gutes haben. Denn ohne allzu große Erwartungshaltungen und dem damit verbundenen Druck konnten wir uns recht entspannt immer weiter darin steigern, unserer musikalischen Vision gerecht zu werden. So sind wir mit unserem aktuellen Album ,Anno Zero‘ derart zufrieden, dass wir sehr gestärkt ins Rennen um Anerkennung gehen können.“

Aldebran: „Wobei wir Anerkennung nicht zum Dreh- und Angelpunkt unseres Schaffens machen. Um es noch mal zu betonen: Unsere Musik entspringt keinem Kalkül, sondern unseren Herzen. Vielleicht liegt hier das Problem (lacht). Man mag a prima vista unser Treiben als Abkupfern diverser Vorbilder abtun. Doch wenn dem so wäre, würde ich etwa meine akademische Gesangsausbildung woanders einbringen wollen. Aber für mich ist Bloody Mary die, wie man so sagt, logische Quintessenz meines Wesens. Für mich muss es genau diese Musik, dieses Genre sein, ich kann nicht anders… auch wenn ich anderes könnte.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert