Am 30. und 31. August 2014 durfte Herzog Friedrich III. von Gotha-Sachsen-Altenburg nebst seiner Gemahlin Luise Dorothee mitsamt dem kompletten Hofstaat wieder einmal seine Auferstehung feiern; dabei war es allen Besuchern vom Kind bis zum „langen Kerl“ aus der Armee des Preußenkönigs Friedrich II. möglich, in ein buntes, praktisch authentisches Barockkostüm zu schlüpfen! Um die Konzertbühnen auf dem Gothaer Schloss herum gab es auch anderes zu hören als Musik: zum Beispiel den authentischen Knall der Kanonen, die noch heute von echten Grenadieren inklusive Gehilfen geladen und abgeschossen werden – und dies zu jeder halben Stunde. Es knallte und blitzte auch beim Feuerwerk zum krönenden Abschluss des Samstags, wozu aber kein Deus ex Machina mithilfe der Theatermechanik vom Himmel steigen musste: Die Steuerung der ausgeklügelten Dramaturgie mit rotierenden Scheiben im Schlosshof bis zu den Raketen außerhalb der Mauern erfolgte vom Computer aus …

Nach und zu Händels Feuerwerksmusik und Bachs Air gab es zu später Stunde ein famoses Feue3rwerk dies- und jenseits der Schlossmauern (H.-P. Mederer).
Nach und zu Händels Feuerwerksmusik und Bachs Air gab es zu später Stunde ein famoses Feuerwerk dies- und jenseits der Schlossmauern (H.-P. Mederer).

Das musikalische Programm war neben Schlossführungen zu jeder halben Stunde und freiem Museumseintritt mit zuvor erworbener Karte für das Gesamtspektakel mehr als reichhaltig – und auch Anhänger des Barocktheaters und alter Tänze kamen an beiden Tagen voll auf ihre Kosten. Auf der großen Freiluftbühne brillierte neben dem großen Blechbläserensemble La Fantare aus Gera Les Matelots, ein Quartett aus Dresdener und Leipziger Musikern, die seltenes, da weltliches Folk-Programm aus dem Frankreich, England und Irland der frühen Neuzeit boten; hier kamen Theorbe, Viola da Gamba, Barockgeige, Flöte und Barockoboe zum Einsatz. Einen Höhepunkt stellte hier die Aufführung der Greensleeves-Ballade mit authentischem und nachgebautem Instrumentarium der Epoche dar. Angesichts des äußerst raren und hierzulande den Mellodien nach nur teilweise bekannten Repertoires hätten Aufmerksamkeit und Applaus hier gerechterweise durchaus kräftiger ausfallen können …

Die neue CD des Quartetts Les Matelots, die sich - als professionelle Musiker - dem Folk der englischen und französischen Barockzeit verschrieben haben, ist soeben erschienen ... (H.-P. Mederer)
Die neue CD des Quartetts Les Matelots, die sich – als professionelle Musiker – dem Folk der englischen und französischen Barockzeit verschrieben haben, ist soeben erschienen … (H.-P. Mederer)

Während die historisch gewandete Armee des Soldatenkönigs im Innenhof exerzierte, Grenadiere vom „Alten Fritz“ für ihre Tapferkeit ausgezeichnet wurden und ein barock gekleideter Zauberer die Kinder begeisterte, durften sich die Zuschauer und Zuhörer des Barocktheaters von Johann Conrad Ekhof (eines der letzten seiner Art im deutschsprachigen Raum) von etlichen anderen Konzerten abgesehen (wie auch einer Kantate von Antonio Vivaldi in der Schlosskirche) an Ballettaufführungen zeitgenössischer Sujets erfreuen:

Das Gothaer Ekhof-Theater: eines der letzten Barocktheater wohl auch in Europa insgesamt (H.-P. Mederer)
Das Gothaer Ekhof-Theater: eines der letzten Barocktheater wohl auch in Europa insgesamt (H.-P. Mederer)

Nach einem Verlobungsballett kam Telemanns Hochzeitsdivertissement original getanzt zur Darstellung, zum dritten gab sich die aus Paris angereiste Compagnie de l’Astré Éternel unter dem Motto Les Amours et Rivalités Nouvelles mit Lubomir Roglev die Ehre, wobei die Tanzfiguren exakt die Agogik der ausgewählten musikalischen Werke abbildeten: Hierbei wurden neben Ausschnitten aus einer geistlichen Bach-Kantate vor allem Ouvertüren von Jean-Baptiste Lully gewürdigt. Schade nur, dass auch hier die mustergültig aufgeführte Musik aus der Konserve kam … Der schauspielerische Einsatz, insbesondere die differenzierte Mimik des Tänzers Lubomir Roglev war mindestens einen zweiten, wenn nicht dritten Besuch wert, der am Samstag und am Sonntag durchaus abgestattet werden konnte. In Vorbereitung auf das große Feuerwerk am Samstagabend spielte die Phulharmonie Gotha Händels Feuerwerksmusik, Bachs Orchester-Suite Nr. 3 D-Dur und ein Konzert von Händels Zeitgenossen William Boyce im galanten Stil. Die Festfreude konnte auch der hin und wieder niedergehende Regen am Abend nicht trüben …

 

 

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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