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Felix Kubin appelliert ans Chromdioxidgedächtnis

Auf seinem eigenen Label „Gagarin Records“  veröffentlicht der Hamburger E(lektro)-Musiker und Hörspielschaffende Felix Kubin am 10. Oktober mit „Chromdioxidgedächtnis“ eine Hommage an die Compactcassette, die im Auftrag des Deutschen Musikrats neben einer akustischen Dokumentation der technisch bedingten klanglichen Eigenarten des Mediums sowie einem Interview mit dem Compactcassetten-Entwickler Wim Langenhoff (Phillips) eine Reihe von eigens erstellten Kompilations-Kompositionen beinhaltet, die sich dem (auch nostalgisch-emotional aufgeladenen) Thema auf sehr persönliche Weise nähern.

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Die Box von vorn: Chromdioxidgedächtnis (Gagarin Records)

Die Box von vorn: Chromdioxidgedächtnis (Gagarin Records)

Wie nicht wenige Kinder seiner Zeit entdeckte Felix Kubin (*69) schon früh den Reiz einer spielerisch kreativen (vulgo: emanzipatorischen) Auseinandersetzung mit den gegebenen Vorzügen und Nachteilen der guten, alten und seit ca. zwei Jahren endgültig (?!) nicht länger hergestellten „Tapes“. Nicht nur ihm diente der Jokus mit und auf Band als erster Gehversuch auf dem Weg zum (experimentellen) Berufsmusiker.

Das „Chromdioxidgedächtnis“ wird von einem ausführlichen Booklet begleitet, dessen Informations- und Unterhaltungswert geradezu nach einer separaten Auflage verlangt. Denn sowohl die CD als auch das C 60-Tape kann getrost im Fach „einmal gehört genügt“ abgelegt werden, wobei insbesondere der archivarische Wert von Bandrauschen, Tonkopfandruck, Gleichlaufschwankungen und Spurüberlappungen nicht geschmälert werden soll.

Wenn Felix Kubin für seinen Appell ans „Chromdioxidgedächtnis“ Klangdokumente seiner in jugendlicher Unschuld entstandenen Aufnahmen aufbereitet, kann und will er den Einfluss der „Genialen Dilettanten“ (Die tödliche Doris etc.) keineswegs verhehlen, was zu zwiespältigen Ergebnissen führt.

... und von hinten (Gagarin Records)

… und von hinten (Gagarin Records)

Weder original (wie seine einst veröffentlichten „Tetchy Teenage Tapes“), noch sonderlich originell im Sinne einer subversiv geführten Unterhaltungsstrategie zehren die kompiliert gestalteten Tracks leider von einer Beliebigkeit, die bestenfalls Erinnerungen an die eigenen (Radio-) Mitschnitte und die eigenen „Feldversuche“ weckt („Der Böse Wolf & Klopopo“).

Dem mehrfach ausgezeichneten Musiker und Klangkünstler Felix Kubin muss allerdings nachdrücklich zugute gehalten werden, dass er diese wichtige Veröffentlichung offenbar dem didaktischen Ansatz untergeordnet hat. „Aufgrund ihrer technischen Schwachstellen haben Compactcassetten [die mit ihnen vorgenommenen Aufnahmen] eher interpretiert, denn repräsentiert“, stellt Felix Kubin fest – und zieht somit eine Parallele zu den trügerischen Vollzugsweisen der menschlichen Wahrnehmung und folglich unseres Erinnerungsvermögens.

gagarinrecords.com
felixkubin.com
dense.de

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