Hoher Aufwand, unermesslicher Ertrag: Als (augenzwinkernder) Wiedergänger des Ritters von der traurigen Gestalt hat der gebürtige Australier und frühere (man glaubt es kaum) Freejazz-Drummer Oren Ambarchi für seinen Quichotismus eine ganze Reihe von Sancho Panzas beziehungsweise Rocinantes und Rucios um sich geschart, um (einer) seiner jüngsten tonalen Fantasie („Quixotism“, ab 27. Oktober via Editions Mego) eine verfallsdatumsfreie Form zu verschaffen.

Eine Frage der Weite: Oren Ambarchi, "Quichotism" (Editions Mego)
Eine Frage der Weite: Oren Ambarchi, „Quichotism“ (Editions Mego)

Mit vereinten Kräften, die in Konzentration und Auflösung wirksam statthaft werden, zieht Oren Ambarchi mit an Unausweichlichkeit grenzender chirurgischer Präzision Demarkationslinien zwischen sinnfälligen Schnittmengen und dem außenstehend organisch Anderem – um sie simultan der Permeabilität zu opfern.

Zwei Jahre Zeit, sieben Entstehungsorte, mindestens 13 Kollaborateure (das Isländische Symphonieorchester nicht mitgezählt): Oren Ambarchi hat für seinen großangelegten Versuch, die inerte (Traum-) Logik scheinbar autonomer Klänge, Klangräume und Rhythmen einer nicht-linearen, mitunter gar improvisierten Organisationsform unterzuordnen, offenbar weder Budget noch Nerven geschont. Auf einem durchgängigen Beat (Köln-Techno aus dem Max Ernst Studio, Thomas Brinkmann) verzahnen u. a. Jim O‘ Rourke, Matt Chamberlain oder John Tilbury ihre trügerisch devote Adhärenz mit dem rigorosen Diktat einer fixen Idee.

Wer im Laufe des gut 40 minütigen Spektakels eine kontinuierliche Steigerung von Dringlich- und Folgerichtigkeit oder gar Ereignishaftigkeit festzustellen vermag, übersieht den entscheidenden Kniff in Oren Ambarchis Rhetorik: Dem forciert entrückten Tablaspiels des Meisters U-zhaan zum Finale steht das trockene Pulsieren am Anfang in nichts nach. In nichts, wohlgemerkt (wodurch sich eine Aufzählung erübrigt).

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