Cole Porters "Kiss me Kate" am Theater Erfurt

Über ein Humortalent, das zum Musicalstar wurde

Nachdem der Unterhaltungskünstler Cole Porter die wohlhabende, um einige Jahre ältere Linda Lee Thomas geheiratet hatte, tingelten die beiden Mitte der 1920er Jahre bald rund um die Welt, denn nicht zuletzt hatte der Großvater des Pianisten und Songschreibers ein beträchtliches Vermögen hinterlassen. Nach Jahren in Paris, Venedig und  an der Riviera kehrte er aus Frankreich, wo er bei Vincent d’Indy studiert hatte, in die Vereinigten Staaten zurück. Dort gelang ihm mit Paris (1928) ein großer Erfolg, der sich fortsetzen sollte. Durch ihre Kontakte im Musical- und Filmgeschäft bedingt orientierte sich das Ehepaar zunehmend nach Hollywood. Durch einen Reitunfall 1937 schwer verletzt konnte Porter nur noch an Krücken gehen, verlor aber auch in den kommenden Jahren nicht seinen Humor.

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Ein gelungener Shakespeare- und Porter-Abend ging mit Kiss me Kate am 14. und 20. September über die Bühne. (Lutz Edelhoff)

Ein gelungener (Shakespeare- und) Porter-Abend ging mit Kiss me Kate am 14. und 20. September über die Bühne. (Lutz Edelhoff)

Diesem verdankt sich schließlich auch sein größter, bis heute andauernder Erfolg mit dem Bühnenwerk Kiss me Kate (1948), das ihm zwei Tony Awards für das Beste Musical und die Beste Originalmusik einbrachte und dem 8 Jahre jüngeren Erfolg von Frederick Loewes My Fair Lady durchaus an die Seite gestellt werden kann. Diesem ähnelt es in musikalischem Temperament und in der Schreibweise der Lied- und Tanzszenen deutlich, jedenfalls aus heutiger Sicht. Für die damaligen Verhältnisse „ultramodern“ erscheint es angesichts neuerer „Klassiker“ wie Star Trek und König der Löwen freilichzu Recht  völlig anderen Ursprungs und ganz dem Broadway-Tanz und der Hollywoodtradition der unmittelbaren Nachkriegsjahre verhaftet.

In grandioser Umsetzung kam das Musical jedenfalls am Erfurter Premierenabend am 14. September, zum zweiten Mal gestern Abend auf die Bühne – und der Staub der Jahre fiel beim packenden Zugriff des Orchesters unter seiner Dirigentin Zoi Tsokanou sofort ab, auch wenn das Bühnenbild an die Kompositionszeit angepasst und gewissermaßen historisch erschien, älteren aufgezeichneten Inszenierungen von Gershwins Porgy and Bess vergleichbar. Die Frisuren der Hauptakteure wären freilich in diesen Jahren kaum denkbar gewesen … Julia Neumann und Máté Sólyom-Nagy spielten und sangen jedenfalls überragend: Sie gewannen der an den Shakespeare-Stoff von Der Widerspenstigen Zähmung angelehnten Handlung und dem Humor von Cole Porter und seiner Librettisten Samuel und Bella Spewack selbst auch schauspielerisch viel von seinem sprichwörtlichen Witz ab.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.