Für gerade mal zwei Konzerte auf deutschem Boden verließen Philippe Fichot und seine treue Muse Éliane P. ihre ostfranzösische Dauerklausur. In Leipzig (Theater-Fabrik) und Köln (Live Music Hall) präsentierten sie neben einem Querschnitt aus jahrzehntelangem Schaffen das formidable aktuelle Album „Rayon X“ sowie Laina Fischbeck, die mit ihrem Ausdruckstanz die audio-visuelle Reizüberflutung kongenial zu ergänzen wusste.

Laina Fischbeck in Form (Stephan Wolf)
Laina Fischbeck in Form (Stephan Wolf)

Denkwürdige Ereignishaftigkeit, wie man sie von der sich immer wieder jeglichen Kategorisierungsversuchen entziehenden Ausnahmeformation zu kennen glaubt. Um immer wieder festzustellen, nicht umhin zu können, der Faszination von Die Form zu erliegen.

Mit dem konventionellen Verständnis eines Live-Konzerts ist es bei Die Form seit jeher so eine Sache. Schließlich beschränkt sich Mastermind Philippe Fichot auf der Bühne darauf, den Sound dezent zu mixen und mit seiner legendären Maske jederzeit interessant auszusehen. Aber Die Form bieten dafür so vieles, was das Prädikat „live“ mehr als rechtfertigt. Da wäre die reizende (sic) Eliane P., die ihre (Kennern) geläufigen Gesangslinien hin und wieder in überraschender Weise zu variieren versteht. Da wäre die in Barcelona ansässige Laina Fischbeck, die sich bei jeder ihrer thematisch adäquat choreographierten Tanzeinlagen physisch verausgabt. Und da wären die durchgängig eingespielten Videoclips, mit denen es Philippe Fichot versteht, den zunächst offensiv sexualisierten Sujets die Ambivalenz der Subversion zu verleihen.

Bilden auch die „Schaulust“ (Single-Auskopplung) und der Voyeurismus als Kulturtechnik die inhaltliche Klammer des aktuellen Programms, so driften die Bilderwelten des gelernten (und obsessiv tätigen) Photographen nie in die Untiefen des reinen Schauwerts oder gar des Selbstzwecks ab. Auch scheinen die Zeiten der „Experiments With Shock“ endgültig passé zu sein. Die sowohl im Video als auch beim Tanz allgegenwärtigen SM-Verweise bleiben subtil und somit frei interpretierbar, sinnlich und sinnstiftend zugleich.

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