„Hör uns bloß mit dem ollen Scheiß auf“, erregen sich Tuxedomoon zwanzig Minuten vor Stage unisono angesichts der Frage, ob sie denn den wahrlich in die Jahre gekommen Szene-Gassenhauer „No Tears“ später kredenzen würden. Selbstverständlich nicht. Indes – die Frage war rhetorischer Natur. Doch das gut Gemeinte erweist sich als das Gegenteil von gut, Tuxedomoon ergreifen die Gunst der Viertelstunde, um sämtlichem Repertoirenimbus eine gehörige Abfuhr zu erteilen.

Schwiegervater der Träume: Steven Brown (Stephan Wolf)
Schwiegervater der Träume: Steven Brown (Stephan Wolf)

„Wenn überhaupt, so arbeiten wir vorsätzlich an unserem eigenen Ikonoklast“, stellt Luc Van Lieshout pars pro toto fest. „Die Leute kommen doch zu uns, weil sie wissen, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt und zugleich übertroffen werden“, ergänzt Steven Brown, was den in sich ruhenden Peter Principle zu einem anerkennenden Kopfnicken veranlasst.

Blaine L. Reininger räumt bei der Gelegenheit auch gleich mit der erratischen Fama um den Soundtrack zu dem „Film“ „Bardo Hotel“ (2006) auf.

Interdependenz? Peter Principle erhebt sich, Blaine L. Reininger macht die Dates klar. Und Luc? (Stephan Wolf)
Interdependenz? Peter Principle erhebt sich, Blaine L. Reininger macht die Dates klar. Und Luc? (Stephan Wolf)

„Meine Güte, das Album ist doch der Film, aber schön, dass noch immer nach den Bildern zur Musik gefragt wird“, sieht er das gelungene Verwirrspiel von Tuxedomoon mit verdienter Süffisanz als gelungen an, denn „mit hunderten von Songs und den sie begleitenden Filmen haben wir etwas erschaffen, was uns davon enthebt, der eigenen Wiederholung erliegen zu wollen. Wir torpedieren Erwartungen, begeistern uns für und begeistern die Menschen mit dem ernsthaft ausgeführten Spiel einer völligen künstlerischen Freiheit.“

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