Mark Burgess – Interview im Underground

„Im Moment habe ich einfach noch viel zu viel Spaß“

The Chameleons Vox beehrten auf ihrer diesjährigen Deutschland-Tour das Kölner Underground. Mögen auch mit dem heutigen Konzert in Frankfurt/Main (Das Bett) die Freudenfeste für die wie immer hochgradig begeisterungsfähigen Fans ein Ende nehmen, so wird es, wie Bandchef Mark Burgess im Gespräch mit amusio verspricht, nicht von allzu langer Dauer sein. Überhaupt stellten er und seine Band im aktuellen Line-up in beeindruckender Weise klar, dass sie nach wie vor voller Energie und mit Spaß an der Freude zu Werke gehen, Willens sind, diese Disposition auch weiterhin voll auszukosten.

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Anlass genug zur guten Laune: Mark Burgess in Köln (Stephan Wolf)

Anlass genug zur guten Laune: Mark Burgess in Köln (Stephan Wolf)

Anlässlich des 30. Jahrestags seines Erscheinens wurde das Album „Script Of The Bridge“ komplett und in der ursprünglichen Songfolge geboten. Dabei gelang es Mark Burgess und seinen Gewährsleuten, dem wohlbekannten (und heiß geliebten) Debütalbum noch nie gehörte Nuancen abzuringen. Unsterbliche Megasongs wie „Don’t Fall“ oder „Second Skin“ kamen erdiger als gewohnt daher, ohne ihre melodische Brillanz zu verlieren; zuvor live eher selten vernommene Titel wie „Pleasure And Pain“ oder „As High As You Can Go“ erstrahlten gar in neuer Pracht.

Von bräsigem Nostalgietrip oder einer schlichten Wiederholung des ewig Gleichen keine Spur, denn auch der dreihebige Zugabenteil überzeugte ein völlig begeistertes Publikum mit herzhaft sukkulenten Versionen von Titeln des Albums „What Does Anything Mean, Basically?“ sowie mit „In Shreds“ und „Swanp Thing“, zwei weiteren Klassikern, die sozusagen die Klammer der (viel zu kurzen) ersten Schaffensphase der legendären Chameleons-Urformation bildeten.

Zum Glück fand sich Mark Burgess eine gute Stunde vor Beginn des Konzertabends (den die Düsseldorfer Wave-Heroen von Asmodi Bizarr blitzsauber unterhaltsam eröffneten) zum Gespräch ein, denn im Anschluss an zwei Stunden der Verausgabung hätte die Ausführlichkeit sicher gelitten.

amusio: „Hi Mark, Du siehst aber verdammt fit aus…“

Mark Burgess: „Findest Du? Na, ich finde, ich habe mal wieder ziemlich zugenommen. Aber das kommt daher, dass ich es mir drei Monate lang in den USA vielleicht etwas zu gut habe gehen lassen. Wenn ich nicht arbeite, also nicht mit ,Chameleons Vox‘ auf Tour bin oder aktiv an Songs schreibe, dann muss ich einfach raus und dasjenige genießen, was das Leben neben der Musik noch so alles bietet. Ich bin nicht der Typ, der in Ruhe zuhause bleiben und die Ruhe auch aushalten kann.“

amusio: „Wie, Du hast Urlaub gemacht? Ich dachte, Du bist dabei, endlich das erste ,Chameleons Vox‘-Album an den Start zu bringen. Unter dem Arbeitstitel „Eden & The End Of The World“ hattest Du es ja schon vor Monaten angekündigt.“

Mark Burgess: „Vergiss es, nachdem ich mich in künstlerischer Hinsicht von John [Lever, Schlagzeuger und Mitglied der Chameleons-Urformation] überworfen hatte, habe ich zugleich all das Material verworfen, dass wir bis dahin hatten. Versteh mich bitte nicht falsch, wir sind uns nach wie vor grün, aber musikalisch an einem Punkt angelangt, wo nichts mehr geht. Also habe ich beschlossen, ganz in Ruhe und mit neuen Kollegen etwas komplett Neues anzugehen, aber erst nächstes Jahr. Im Moment habe ich einfach noch viel zu viel Spaß am Touren mit dem bewährten Repertoire. Darum werden wir im nächsten Frühjahr auch wieder in Deutschland spielen. Erst danach werde ich mich daran begeben, meine neuen Ideen umzusetzen.“

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