Interview mit PeterLicht

„Diese Selbsteinschätzung will ich nicht preisgeben“

Der in Köln ansässige Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2007 (Kategorien „3sat“ & Publikum) wird in Berlin umher kutschiert und spricht. Über die Notwendigkeit politischen Engagements, die Notwendigkeit individueller Originalität, die Notwendigkeit der Kapitalismus-Überwindung, die Notwendigkeit der Furcht vorm Alter, sowie auch deren Überwindung. Über die Notwendigkeit des Crowdfundings. Und über den Covergenerator, einem von (diesem zu verdankenden) annähernd achthundert integralen Bestandteilen seiner zum Erwerb anstehenden Doppel-Live-CD-VÖ „Lob der Realität“ (Staatsakt).

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Das Vorgegebene Lob (PeterLicht/staatsakt)

Das Vorgegebene Lob (PeterLicht/staatsakt)

amusio: „Hallo PeterLicht, der Umstand, dass Du nach wie vor Köln als Wohnort biographisch aufträgst, ist Deinem Schaffen nicht anzumerken. Seltsam, so doch nahezu sämtliche Kollegen nicht nur der deutschsprachigen Musikszene, einen regionalen Bezug im Schilde führen.“

PeterLicht: „Stimmt. Den Bezug auf eine urban oder regional definierte Heimat hat in meinem Schaffen noch nie eine Rolle gespielt. Vielleicht hätte es auf meinen Output abgefärbt, wenn ich etwa im Himalaya gelebt hätte. Aber auch da bin ich mir nicht sicher. Jedenfalls haben Orte wie Köln, dito Berlin oder Hamburg und so weiter nie Einfluss auf das genommen, was ich so unternehme. Ich kann in dieser Hinsicht kein Manko erkennen.“

amusio: „Ein Manko als monetärem Sachstand scheint hingegen der Veröffentlichung von ,Lob der Realität‘ vorangegangen zu sein. Du hast Dich erfolgreich des Crowdfundings bedient, um Deine Idee eines Live-Doppelalbums zu realisieren. War das wirklich notwendig? Oder war das Ziehen der Crowdfunding-Option nicht vielmehr eine Lektionserteilung, dass Alternativen der Finanzierung überhaupt funktionieren, eine Attitüde?“

PeterLicht: „Wirklich notwendig. Ich habe keine Oma, die mir finanziell unter die Arme gegriffen hätte. Aber mein früheres Label, Motor Music, hatte – und das war zunächst entscheidend – keinerlei Einwände gegen meinen Wunsch, meine Lieder, deren Verwertungsrechte ich ans Label veräußert hatte, live auf Tonträger zu bannen. Aber unterstützen wollten sie mich darüber hinaus nicht. Es ist ja kein Geheimnis, dass sich Plattenfirmen heutzutage durchweg im Prekären bewegen. Ist Fakt, kein Vorwurf. Also habe ich es übers Crowdfunding versucht. Dass mein Versuch geglückt ist, erfreut mich mehr als der Gedanke, es auch ohne hätte schaffen zu können. Konjunktiv, klar, denn ich hätte es nicht.“

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