Stevie Nicks öffnet Tresor

Griff ins güldene Glück

Wie, weshalb, warum … Stevie Nicks polarisiert. Für ihre treuen Freunde ist sie Inbegriff weiblicher Rock-Autonomie, für ihre Neider, enttäuschten Freunde und polemisierenden Deuter (Henry Rollins) Sinnbild verfehlter Szenismen. Vermutlich trifft sie einen Nerv, der Unvoreingenommenheit noch nie verspürt hat. Wie auch immer, mit den „24 Karat Gold – Songs Of The Vault“ (Reprise/Warner) singt und spielt sie – unterstützt von Ex-Eurhythmics Dave Steward (als Produzent) – mit einem Reigen sich in Jahren angesammelter Stücke recht groß auf.

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Kennen Sie dieses Mädchen? Dann bitte melden. (Warner Music)

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Dave Steward – immerhin ein (1) Mann, dem Stevie Nicks nicht völlig den Kopf verdreht zu haben scheint! Das Album mit vielen Bildern auch der jungen Dame klingt nach Vielem – nur eben überhaupt nicht „käsig“.

Huckepacken haubitzenvoll im Sinne eines legitimen Mitteilungsbedürfnis zieht Stevie Nicks vom Kunstleder. In sich dabei erstaunlicher Weise nicht verhebenden Kleinoden wie „Hard Advice“, trifft sie den Ton vorgeblicher Unschuld samt Schuldeingeständnis. Sie ist stimmlich nach wie vor nicht der Weisheit letzter Schluss, doch ihre Songauslese bleibt auf „24 Karat Gold-Songs Of The Vault“ erfreulich wenig repräsentativ. In Bezug auf all das, was ihr landläufig zum Vorwurf gemacht wird.

„I don’t care about your feelings, oh Baby, I don’t mean it, I don’t care“ macht sie gegen Mitte des Albums dem geneigten Hörer klar. Das ist ihr gutes Recht, mag aber zugleich den Urgrund für die landläufigen Anfeindungen andeuten. Stevie Nicks ist nicht das zahme Wesen, das man(n) sich unterm Tannenbaum wünscht. Woanders schon. Immer die olle Leier. Und nun?

„24 Karat Gold-Songs Of The Vault“ ist eine Kollekton von in 45 Jahren entstandenen Standortbestimmungen einer Interpretin, die sich der nordamerikanischen Liedgut-Tradition verschrieben hat. Das macht die ewige Verlockung samtweicher Gesichtszüge (Bildebene, Booklet) zum Phänomen:  Schärfer als Beyonce, Rihanna und Co., aber entschieden gnadenlos konventionell im Ausdruck (Musik, Texte).

Aber Vorsicht! Dutzende, ja hunderte Sidekicks machen die Scheibe zu einem Abenteuer, an dessen Ende der ewige, bei Stevie Nicks als Akzidenz mitgedachte Jugendwahn lapidar abschrumpelt.

„Never at all“, und (wen es interessiert) mitunter eine Frisur, auf die Jennifer Rush, nein, Pia Zadora vor Urzeiten stolz gewesen wäre: Frau Freeze, Princess Perfect und Nachkarterei („Carousel“): Hat Stevie Nicks auch ihre „Best-of“-Me schon mal (2007) als „kristalline Visionen“ bezeichnen lassen – Gold steht ihr besser. Deutlich besser, endlich gut.

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