Interview mit Jens Friebe

„Versagensangst ist nur eine sublimierte Form der Todesangst“

Eine Stunde vor Stage, die Band nebst Vater Friebe wartet schon mit dem Abendessen, dreht sich das Gespräch im Kölner Stadtgarten auch und vor allem um das zentrale Thema seines neuen Albums, „Nackte Angst zieh Dich an wir gehen aus“ (Staatsakt). Wenn Jens Friebe auch betont, dass ihn vor Auftritten Versagensängste plagen, so erweisen sich diese beim umjubelten Konzert als völlig unbegründet. Vielleicht hat er letztlich „nur“ an dem alten Affen Lampenfieber und dem üblichen Tourstress laboriert.

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Umarmt die Angst: Jens Friebe (Stephan Wolf)

Umarmt die Angst: Jens Friebe (Stephan Wolf)

amusio: „Du warst vorhin beim WDR, bei EinsLive. Das wundert mich. Nehmen die Dich etwa nicht ernst?“

Jens Friebe: „Wenn ernstnehmen bedeutet, im Tagesprogramm gespielt zu werden, dann nicht. Aber für das Nachtprogramm bin ich für EinsLive wohl weiterhin interessant. Mit meinem vorletzten Album bin ich noch tagsüber in der Rotation gelaufen.“

amusio: „Heute undenkbar.“

Jens Friebe: „Mag sein, ich bekomme das in Berlin nicht mehr so mit. Dort gibt es radioeins, das heute so Sachen macht, wie ich sie von früher von EinsLive kenne.“

amusio: „Ist Dir denn Airplay im Tagesprogramm überhaupt noch wichtig?“

Jens Friebe: „Ja klar, ich bin zwar nicht davon abhängig, aber ich habe natürlich nichts dagegen, über das Radio Leute zu erreichen, die mich sonst nicht wahrnehmen würden. Das Internet kann diese Funktion nicht ersetzen. Im Internet sind die Leute ja aktiv auf der Suche nach neuer Musik, doch die Masse tut das nicht und nimmt nur das wahr, was im Radio gespielt wird.“

amusio: „Du hast in Köln gelebt, ist das für Dich heute Abend auch so eine Art Heimspiel?“

Jens Friebe: „In gewisser Weise schon, ich habe hier fünf Jahre verbracht. Aber ich bin dann nach Berlin gegangen und dort habe ich auch meine erste Platte gemacht. Als ich dann die ersten Konzerte in Köln gegeben habe, erwies sich die Stadt als ein eher schwieriges Pflaster für mich. Dass ich hier unter anderem als Redakteur für das ,Intro‘- Magazin tätig gewesen bin, hat mir am Anfang meiner Musikerkarriere keinen Heimvorteil verschafft. Mittlerweile hat sich das gegeben, aber das hat nichts damit zu tun, dass ich hier früher in der Musikszene unterwegs gewesen bin.“

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