Filmstart von „Hitchcock“

Und die Frage, ob dieser Film dem Meister selbst wohl gefallen hätte.

Sacha Gervasis Biopic Film „Hitchcock“ basiert auf dem Buch „Alfred Hitchcock and the Making of Psycho“ von Stephen Rebello. Der Plot: Der einflussreichste Filmemacher des vergangenen Jahrhunderts, Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins), steckt mitten in den Vorbereitungen zu seinem späteren Meisterwerk „Psycho“ mit Janet Leigh (Scarlett Johansson), Vera Miles (Jessica Biel) und Anthony Perkins (James D’Arcy). Ihm zur Seite steht seine Ehefrau und Partnerin Alma Reville (Helen Mirren), die ihn kritisiert, aber in erster Linie auch unterstützt und beratend zur Seite steht.

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Szenenbild „Hitchcock“ Quelle: Twentieth Century Fox  2012

Szenenbild „Hitchcock“ Quelle: Twentieth Century Fox 2012

Nach dem Riesenerfolg mit „Der unsichtbare Dritte“ ist Hitchcock auf der Suche nach neuem Filmstoff. Er stößt auf das Buch „Psycho“ nach der wahren Story eines Serienmörders und ist hellauf begeistert. Die Filmbranche ist jedoch skeptisch gegenüber dem neuen Projekt und verweigert die Finanzierung. Der inzwischen 60-jährige Filmemacher wird von einigen Produzenten für zu alt und die Story für nicht gut genug gehalten. Letzlich setzt Hitchcock das Projekt dann doch um, nicht zuletzt mit der großen Unterstützung seiner Ehefrau, und finanziert den Film selbst. Er hat denn auch den richtigen Riecher – „Psycho“ wird sein größter Erfolg.

Mit zwei herausragenden Schauspielern in den Hauptrollen wird die filmische Nacherzählung der Entstehung des Horror-Klassikers zu einem relativ kurzweiligen Vergnügen. Anthony Hopkins sieht zwar – trotz Fatsuit und Gesichtsprothesen – nicht wirklich so aus, wie der schwabbelige Hitchcock mit seinen wulstigen Lippen, aber das vergisst man im Laufe der Handlung wieder. Charme entwickelt der Film dort, wo er sich Hitchcocks beißendem Humor und seiner Manipulationskunst widmet.

Jedoch die Darstellung seiner Person, als mürrisch-ironischer Dickkopf, der viel zu harmlos daherkommt und der Meinung seiner Frau Untertan ist, zielt wohl etwas an der Realität vorbei. Nachdem, was ich bisher über Hitchcock gelesen habe, war er auch eine bedrohlich-abstoßend wirkende, voyeuristsche, ungelaunte, arrogante und übergriffige Persönlichkeit, mit einem Fetisch für blonde Schönheiten. Inzwischen weiß man, etwa von Tippi Hedren, Star in „Die Vögel“, dass Hitchcock seine Hauptdarstellerinnen nicht nur in der Fantasie bedrängt hat. In „Hitchcock“ wird diese dunkle Seite des Filmemachers nun zu wenig beleuchtet. Eigentlich kommt sie nur bei den Dreharbeiten zur berühmten Dusch-Szene ans Licht, denn da schnappte sich der Meister dereinst selbst das Messer und gab vor, auf die völlig verdutzte Janet Leigh einzustechen, damit diese beim nächsten Versuch für die Szene glaubwürdig entsetzt wirkte. Wirklich gruselig! Etwas mehr solcher Momente hätte dieser bisweilen zu humorvoll geratenen Hollywood-Hommage sicher gut getan. Ob dem exzentrischen Regisseur dieser Film wohl selbst gefallen hätte? Ich fürchte nicht. Dennoch halte ich ihn für eingefleischte Hitchcock-Fans (wie mich) für sehenswert.

Wer außerdem mehr über den Großmeister wissen will, dem möchte ich an dieser Stelle noch schnell das Buch „Mister Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ des französischen Filmemachers François Truffaut empfehlen. Es gewährt unheimlich interessante Einblicke in die Arbeit und den Charakter Hitchcocks. Sehr faszinierend sind speziell die Schilderungen der Probleme und Problemlösungen im „Special-Effekt“-Bereich. Ein spannendes Lese-Vergnügen!

Der Film „Hitchcock“ läuft seit dem 14. März im Kino.

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Über Nina Pelke

Kommunikationswissenschaftlerin, Texterin, Autorin und Musikliebhaberin aus Frankfurt. Auf dem Schirm: sämtliche Spielarten elektronischer Musik, wie Techno, Dance, Elektro, Minimal, House, aber auch Rock, Grunge und Crossover. Plus: Leidenschaft für Kunst, Literatur, Kino und Theater.