Erst ein Scoop, dann die größtmögliche Informationszurückhaltungsverpflichtung der Musikgeschichte. Und wenn schon, – nun darf es publik gemacht werden: „The Endless River“ (Parlophone/Warner) erfüllt von Vernunft und Verstand geschürte Erwartungen. Und enttäuscht alle, die sich mehr erhofft hatten. Vom Ansatz her würdig, nostalgisch wertig und in jedem Moment ein Versprechen auf den nächsten gebend, bleibt die Ausführung seltsam verworren bis schlicht unsinnig.

"Don't pay the ferryman", Pink Floyd, "The Endless River" (Parlophone/Warner)
„Don’t pay the ferryman“, Pink Floyd, „The Endless River“ (Parlophone/Warner)

Ein Tribut an den verstorbenen Tastengott Rick Wright soll „The Endless River“ sein. Ein Versuch, die maßgeblich von ihm erdachten Einspielungen zu „The Division Bell“ anständig aufzubereiten, um sie anschließend als das definitiv letzte Album einer der wichtigsten, größten und besten Bands ever zu verhökern. Der Versuch ist geglückt, doch als Album funktioniert „The Endless River“ von vorne bis hinten nicht, das können die durchaus vorhandenen Highlights nicht kaschieren.

Das Album ist in vier Abschnitte unterteilt, was im Sinne eines Doppelvinyls auch Sinn ergibt. Der erste Part gebührt ganz und gar Rick Wright. Wer jedoch einen direkten Aufgriff der Klangfarben von „The Division Bell“ erhoffte oder befürchtete, der darf ganz entspannt bleiben.

Rick Wright ackert sich souverän durch ein von „Wish You Were Here“ dominiertes, manisch-depressives Feld vertrauter Stimmungen, die sich jedoch allzu schnell als Aufguss (und kompositorischer Ausschuss) dechiffrieren lassen. Bei „Ebb and Flow“ spielt Rick Wright (oder das, was aus ihm gemacht wurde) stärker auf der „Animals“-Schiene, wobei er es sich bei der Tünchung nicht nehmen lässt, auf seine Solo-Alben, vor allem auf „Broken China“ hinzuweisen. Das ist schön. Eine Spur zu gefällig. Und bietet ein etwas zu langatmig geratenes Vorspiel auf den zweiten Teil.

Band für die Ewigkeit: Pink Floyd (Andy Earl)
Band für die Ewigkeit: Pink Floyd (Andy Earl)

Das Vorspiel zu einem zweiten Teil, der erneut (nur) wie ein Intro, wie ein Versprechen klingt. Kompositorisch konfus, ohne klar erkennbare Linie verlässt sich David Gilmour nun ganz auf die Ambient-Karte. Auf Aphex Oldfield, wenn man so will, wobei es vielleicht wünschenswert gewesen wäre, wenn er weniger zurückhaltend auf sich und seine Gitarre aufmerksam gemacht hätte. Ein innerer Zusammenhang bleibt weiter außen vor (überhaupt klingt das Ganze inzwischen auf frappierende Weise eher nach einem vergeigten Mike Oldfield-Album, als nach Pink Floyds „Momentary Lapse Of Reason“). Zum Ende erklingt ein überzuckert starres Saxophon, wie es die „Höhner“ zur Ballade anlässlich einer Nubbel-Verbrennung nicht treffender hätten auswählen können.

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