Charakterköpfe: Rick, David, Nick (Albert Watson)
Charakterköpfe: Rick, David, Nick (Albert Watson)

Zweite Platte, Seite Drei (nichts Nacktes): „The Divison Bell“ klingt jetzt durch, „What do you want from me“ in light, kalorienreduziert. Behäbig wird mit „Allons-y“ (1 & 2) „The Wall“ zitiert und zugleich ein veritabler Höhepunkt eingekleidet: „Autumn ‘68“, quasi die Fortsetzung des Sommers gleichen Jahres („Summer ‘68“, Atom Heart Mother). Allein diese Passage lohnt die gesamte Chose, hier erweisen sich David Gilmour, Nick Mason und eine Armada von Produzenten fähig, Unerhörtes zu erschaffen: An einer mega-fetten Orgel rankt sich Pathos-Psychedelia vom Feinsten empor, hier schlägt das Herz des Floyd-Fans! Leider ringt „Talkin‘ Hawkin‘“ diesen Trieb anhand eines offensichtlich falsch verstandenen Piano-Jams wieder in die Vergessenheit. Was dieser Hawkins (…) da labert, interessiert nicht. Und Chöre arrangieren, das konnte Roger Waters besser.

Seite Vier, Rick Wright dominiert wieder, diesmal sehr düster und wie immer unvergleichlich einfühlsam („Calling“). Dagegen macht es sich David Gilmour einfach: „da dimm, da damm“. Aber, er macht es zwar einfach, aber verdammt effektiv („Eyes To Pearls“)! Bei „Surfing“ erklingt wieder die inzwischen vertraute, krude Mischung aus allem, was der Floyd-Fundus so hergibt. Bunt und beliebig, ziellos, dem Albumtitel (und dem Postertapeten-Cover für Kindermädchen) entsprechend. Und zum Ausklang: „Louder Than Words“ (Hättest Du geschwiegen, Desdemona! Dann wärst Du Philosophin geblieben…).

Nächstes gemeinsames Album 2018?! (Harry Borden)
Nächstes gemeinsames Album 2018?! (Harry Borden)

Ein sentimentales Resümee, wie vom Praktikanten geschrieben: „One Slip“ lahm und ohne nennenswerte Hook, schönes Glockenspiel (nein, nicht nur das aus dem Kirchturm), aber keine Idee. Entsprechend schlapp fällt dann auch David Gilmours Solo aus, immerhin wird es nicht ausgeblendet. Sondern mündet in den „Endless River“ (mehr Maritza denn Rhein) des Anfangs.

„The Endless River“ – eine über weite Strecken missratene Hommage an Rick Wright (dem sie nun wahrlich nicht anzukreiden ist, möge er sich an diesem Danaergeschenk posthum erfreuen) und ein unfreiwillig offenherziges Dokument verfehlter Masturbationstechniken. Und dennoch, und das ist das Entscheidende: Ein Album, das man als Fan und Freund von Pink Floyd selbstverständlich besitzen und intensiv hören muss. Ja, ein Muss! In einer Klasse für sich kann es nichts geben, was sich nicht zu genießen lohnte, wenn auch mit den soeben aufgeführten Abstrichen.

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