Auf Superball/Universal ist dieser Tage das neunte Album („IX“) der sich stets etwas verquer bis rätselhaft gerierenden Band mit dem langen Namen erschienen. Mit dem Neuling reklamieren … And You Will Know Us by the Trail of Dead eine Dringlichkeit, die ihnen seit (der ersten Hälfte von) „So Divided” (2006) abhanden gekommen schien. „Dieses Album handelt von Verlust und davon, wie wir ihn wahrgenommen haben. Wir hoffen, dass Ihr das nachempfinden könnt. Wenn Ihr es nicht nachempfinden könnt, seid Ihr nicht menschlich und verdient zu sterben“, so Conrad Keely, Jason Reece und Co.

T.O.D. "IX" (Superball)
T.O.D. „IX“ (Superball)

Benötigten Alben von Trail of Dead (die Kurzform ist offiziell genehmigt) in der Vergangenheit stets mehrere Durchläufe, um – aufgrund ihrer Komplexität, enthemmten Kreativität und Respektlosigkeit gegenüber Genre- oder Publikumserwartungen – erschließbar zu sein, macht sich „IV“ ab dem wuchtigen Opener „The Doomsday Book“ sofort und klar verständlich. Dabei verzichten sie weitgehend auf die für sie sonst so typischen, lärmigen Kapriolen und Kaskaden, sondern bleiben auf ein Songwriting fokussiert, das sich seiner Überzeugungskraft jederzeit bewusst ist.

Wenn dann zunehmend orchestrale Passagen die melodisch begeisternden und dramaturgisch-taktisch umwerfenden Songs generös anreichern, hilft das der eingeforderten Empathie erst so richtig auf die Sprünge. Von Verlusterfahrungen mag das Album handeln, doch die daraus resultierenden Befreiungsschläge, der resolute (wenn auch schmerzhafte) Ablösungsprozess lassen sich vom Ergebnis gleichermaßen ableiten.

„Like Summer Tempests Came His Tears“ mag das alles auf sich vereinen. Doch dieser Mahlstrom von Song kann sich vor lauter gebotenen Güte kaum vom Gros der zwölf anderen Kompositionen absetzen. Wem Trail Of Dead bislang zu unberechenbar erscheinen wollten, der braucht bei „IV“ nicht mehr zu befürchten, überfordert zu werden. Da die Band zugleich keine Jota ihrer ureigenen Magie einbüßt, kann das Album unterm Strich als großer Wurf gewertet werden. Selten schienen sie so nah bei sich selbst zu sein, so authentisch, so vertrauenswürdig.

Aber Obacht: Trail Of Dead sind für ihre Ironie, ihren Sarkasmus, ihre Unverbindlichkeit bekannt. Sollten sie diese Trademarks auf „IX“ wirklich einmal überwunden haben?

„The Ghost Within“:
youtube.com/watch?v=0H6Qbp86GoA

Trail on Tour:
03.11. Marburg (KFZ)
09.11. München (Ampere)
10.11. Berlin (Bi Nuu)
11.11. Hamburg (Knust)
12.11. Köln (Gebäude 9)
20.11. Hannover (Café Glocksee)
21.11. Bielefeld (Forum)

andyouwillknowusbythetrailofdead.bandpage.com

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