Interview mit Nicholas Faraone (Barbarisms)

„Ich mag es, den Zuhörer auf falsche Fährten zu führen“

Am 7. November erscheint mit dem selbstbetitelten Album „Barbarisms“ (Popup Records/Control Freak Kitten/Cargo/Believe) ein Album, dass sich jeglichen Klassifizierungsversuchen erfolgreich widersetzt und dennoch auf Anhieb wie der Besuch eines alten Freundes zu Herzen geht. Das in Stockholm ansässige Trio um den Exil-US-Amerikaner Nicholas Faraone becirct mit bestens abgehangenen Kompositionen auf LoFi-Americana-Basis und beeindruckt mit Texten, die ihre Faszination der Rätselhaftigkeit und Doppelbödigkeit verdanken. Also nicht das, was gemeinhin mit Barbarismen assoziiert wird. Oder vielleicht doch? Wir haben bei Nicholas Faraone nachgefragt.

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Nicholas Faraone, vermutlich mit Freund (barbarisms.com)

Nicholas Faraone, vermutlich mit Freund (barbarisms.com)

amusio: „Hi Nicholas, was hat es mit dem barbarischen Bandnamen und Albumtitel auf sich?“

Nicholas Faraone: „Ich war auf der Suche nach einem starken, einprägsamen Namen. ,Destroyer‘ hätte mir gut gefallen, doch den hat ja Dan Bejar bereits okkupiert. Beim Stöbern durch Literatur und Wörterbücher bin ich dann auf ,Barbarisms‘ gestoßen. Und die Entscheidung war gefallen, obwohl wir gar nicht barbarisch klingen. In erster Linie spiele ich auf eine Wortbedeutung an, die mir als leidlich mehrere Sprachen sprechender Kosmopolit leider nur allzu geläufig ist. Mit Barbarismen werden auch sprachliche Fehlleistungen bezeichnet, die von den Lernenden eines Idioms begangen werden, weil zum Beispiel das Falsche phonetisch nahe am Korrekten liegt, was zu mehr oder weniger amüsanten Missverständnissen führen kann. Aber natürlich schwingen die anderen, die bekannteren Konnotationen weiterhin mit.“

amusio: „Im Niederländischen nennt man diese typischen Anfängerfehler ,falsche Freunde‘: Es ist halt die Sprache der Fremden, der Barbaren, der bärtigen Halbmenschen aus der Wildnis…“

Nicholas Faraone: „Also ich kann dir versichern, dass ich die Band nicht nach Formen der Gesichtsbehaarung benannt habe. Aber ich stelle mit Genugtuung fest, dass der Name bei den Leuten so einiges an Deutungsebenen oder auch Irritationen auslöst.“

amusio: „So sicher auch das Covermotiv, ein Gemälde von Winston Chmielinski, das im Zusammenhang mit dem Namen sofort Assoziationen zur – barbarischen – Handlung des Blendens, zu King Lear oder ,Un Chien Andalou‘ weckt. Spiegeln sich derlei Assoziationen in den Aussagen Deiner Songs wider?“

Nicholas Faraone: „Die Songs waren bereits fertig, als der in Berlin lebende und mit mir befreundete Künstler Winston Chmielinski sein OK dazu gab, das Gemälde fürs Cover verwenden zu dürfen. Die von dir genannten Assoziationen sind zwar offensichtlich, aber doch bleibt das auf dem Bild Dargestellte und somit auch seine Aussage in der Schwebe, nicht eindeutig. Insofern entspricht das Gemälde meiner Art, Texte zu verfassen. Ich vermenge gerne konkrete Beschreibungen mit literarischen Zitaten oder mit Metaphern, die sich einer unmittelbaren Deutung entziehen.“

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